Wie wirkt sich Glycyrrhizin in Lakritz auf den Hormonhaushalt, insbesondere auf das Cortisol, aus?

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Glycyrrhizin, der Hauptwirkstoff aus der Süßholzwurzel (Lakritz), hat einen signifikanten und gut dokumentierten Einfluss auf den Hormonhaushalt. Die Wirkung betrifft vor allem das Stresshormon Cortisol sowie den Mineralstoffhaushalt.

Hier ist die detaillierte Erklärung der Mechanismen:

1. Der Mechanismus: Hemmung des Enzyms 11β-HSD2

Der wichtigste Effekt von Glycyrrhizin findet in den Nieren statt. Glycyrrhizin (bzw. sein Abbauprodukt Glycyrrhetinsäure) hemmt ein spezifisches Enzym namens 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 (11β-HSD2).

  • Die normale Funktion: Dieses Enzym hat die Aufgabe, aktives Cortisol in inaktives Cortison umzuwandeln. Das ist wichtig, weil Cortisol fast genauso stark an die Mineralocorticoid-Rezeptoren (die eigentlich für das Hormon Aldosteron gedacht sind) bindet wie Aldosteron selbst.
  • Die Wirkung von Lakritz: Wenn das Enzym durch Glycyrrhizin blockiert wird, kann das Cortisol in der Niere nicht mehr deaktiviert werden. Die Konzentration an aktivem Cortisol steigt dort massiv an.

2. Die Folgen für den Hormonhaushalt

A. "Pseudo-Hyperaldosteronismus"

Da nun zu viel aktives Cortisol an die Aldosteron-Rezeptoren bindet, "glaubt" der Körper, er habe einen massiven Überschuss an Aldosteron. Dies führt zu folgendem Teufelskreis:

  • Natrium-Retention: Der Körper hält verstärkt Natrium (Salz) zurück.
  • Wasseransammlungen: Mit dem Salz wird auch Wasser im Körper gespeichert (Ödeme).
  • Blutdruckanstieg: Durch das erhöhte Blutvolumen steigt der Blutdruck (Lakritz-Hochdruck).
  • Kaliumverlust: Im Austausch für das Natrium scheidet die Niere vermehrt Kalium aus. Ein niedriger Kaliumspiegel (Hypokaliämie) kann zu Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen führen.

B. Feedback-Hemmung des echten Aldosterons

Weil das Cortisol die Rezeptoren besetzt hält und der Blutdruck steigt, drosselt der Körper die Produktion des eigentlichen Hormons Aldosteron sowie des Enzyms Renin. Im Blut lässt sich also ein paradoxes Bild feststellen: Symptome von zu viel Aldosteron, aber messbar sehr niedrige Aldosteronwerte.

3. Auswirkungen auf Geschlechtshormone

Glycyrrhizin kann auch andere hormonelle Wege beeinflussen, wenn auch oft weniger stark als den Cortisol-Stoffwechsel:

  • Testosteron: Es gibt Studien, die zeigen, dass hoher Lakritzkonsum bei Männern den Testosteronspiegel senken kann. Glycyrrhizin hemmt Enzyme (wie die 17β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase), die für die Testosteronsynthese in den Hoden wichtig sind.
  • Östrogen: Süßholz enthält Isoflavone (Phytoöstrogene), die eine leichte östrogenartige Wirkung haben oder den Östrogenstoffwechsel beeinflussen können.

4. Zusammenfassung der Symptome bei hohem Konsum

Wenn man übermäßig viel Lakritz isst (man spricht hier oft von mehr als 100g starkem Lakritz täglich über einen längeren Zeitraum), kann es zu folgenden hormonell bedingten Problemen kommen:

  1. Bluthochdruck (Hypertonie).
  2. Wassereinlagerungen (geschwollene Beine/Gesicht).
  3. Muskelschwäche (durch Kaliummangel).
  4. Libidoverlust (bei Männern durch sinkendes Testosteron).

Wer sollte vorsichtig sein?

  • Personen mit Bluthochdruck.
  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wegen des Kaliumverlusts).
  • Schwangere (hoher Lakritzkonsum steht im Verdacht, die Plazentaschranke für Cortisol durchlässiger zu machen, was die Entwicklung des fötalen Gehirns beeinflussen könnte).
  • Menschen, die Medikamente wie Diuretika oder Digitalis-Präparate einnehmen.

Hinweis: In Deutschland muss Lakritz ab einem Gehalt von 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g als "Starklakritz" gekennzeichnet werden. Die tägliche Aufnahme von Glycyrrhizin sollte laut Experten (BfR) 100 mg pro Tag nicht dauerhaft überschreiten.

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