Warum ist bei Kindern beim Verzehr von stark haltigem Lakritz besondere Vorsicht geboten?
Bei Kindern ist beim Verzehr von Lakritz – insbesondere von sogenanntem „Starklakritz“ – besondere Vorsicht geboten, da der darin enthaltene Inhaltsstoff Glycyrrhizin den Mineralstoffwechsel des Körpers massiv beeinflussen kann.
Hier sind die wichtigsten Gründe für die Vorsicht:
1. Der Inhaltsstoff Glycyrrhizin
Lakritz wird aus der Wurzel des echten Süßholzes gewonnen. Diese enthält Glycyrrhizin. Dieser Stoff greift in den Hormonhaushalt ein, genauer gesagt in den Cortisol-Stoffwechsel. Er hemmt ein Enzym, das normalerweise Cortisol abbaut. Die Folge: Der Körper verhält sich so, als hätte er zu viel vom Hormon Aldosteron.
2. Auswirkungen auf den Blutdruck und das Herz
Schon bei Erwachsenen kann zu viel Lakritz zu Bluthochdruck führen. Bei Kindern, deren Körpergewicht deutlich geringer ist, tritt dieser Effekt viel schneller ein.
- Bluthochdruck: Die Gefäße verengen sich, der Blutdruck steigt.
- Wassereinlagerungen (Ödeme): Der Körper hält vermehrt Natrium und Wasser zurück.
3. Störung des Elektrolythaushalts (Kaliummangel)
Glycyrrhizin sorgt dafür, dass vermehrt Kalium über die Nieren ausgeschieden wird. Kalium ist jedoch lebenswichtig für die Funktion von Muskeln und Nerven. Ein starker Kaliummangel kann führen zu:
- Muskelschwäche
- Herzrhythmusstörungen
- Abgeschlagenheit
4. Geringere Toleranzgrenze bei Kindern
Da Kinder ein geringeres Körpergewicht haben, erreichen sie kritische Mengen an Glycyrrhizin viel schneller als Erwachsene. Es gibt zwar keine fest definierte „Giftgrenze“ für jedes Kind, aber Experten raten zur Zurückhaltung. Besonders Kinder mit vorbestehenden Nierenproblemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind gefährdet.
5. Kennzeichnung „Starklakritz“
In Deutschland gibt es gesetzliche Regelungen zur Kennzeichnung:
- Normales Lakritz: Enthält weniger als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g.
- Starklakritz: Enthält mehr als 200 mg pro 100 g. Solche Produkte müssen den Warnhinweis tragen: „Enthält Süßholz — bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden.“
- Ab 400 mg pro 100 g muss zusätzlich darauf hingewiesen werden, dass es kein Kinderlakritz ist (oft als „Erwachsenenlakritz“ deklariert).
Was sollten Eltern beachten?
- Mengen begrenzen: Lakritz sollte für Kinder eher eine Ausnahme und keine tägliche Nascherei in großen Mengen sein.
- Auf die Packung achten: Vermeiden Sie für Kinder Produkte, die als „Starklakritz“ oder „Erwachsenenlakritz“ gekennzeichnet sind. Diese sind oft im skandinavischen Raum oder in spezialisierten Süßwarengeschäften zu finden.
- Salmiak-Lakritz: Häufig ist Starklakritz auch mit Salmiaksalz (Ammoniumchlorid) versetzt, was in hohen Mengen ebenfalls den Stoffwechsel belasten kann.
Fazit: Ein paar Gramm normales Kinderlakritz (die bekannten Gummibärchen-Varianten) sind in der Regel unbedenklich. Problematisch ist der regelmäßige oder übermäßige Konsum von echtem, starkem Lakritz, da die körperlichen Nebenwirkungen bei den kleinen Organismen deutlich heftiger ausfallen können.