Warum sollten Menschen mit Bluthochdruck den Verzehr von Lakritz einschränken?
Menschen mit Bluthochdruck (Hypertonie) sollten beim Verzehr von Lakritz vorsichtig sein, da ein bestimmter Inhaltsstoff den Blutdruck massiv ansteigen lassen kann. Der Hauptverantwortliche dafür ist die Glycyrrhizinsäure (gewonnen aus der Süßholzwurzel).
Hier ist die genaue Erklärung, was dabei im Körper passiert:
1. Der Mechanismus: Eingriff in den Hormonhaushalt
Glycyrrhizinsäure beeinflusst den Cortisolstoffwechsel im Körper. Normalerweise wird das Hormon Cortisol in den Nieren durch ein Enzym in das inaktive Cortison umgewandelt. Die Glycyrrhizinsäure blockiert dieses Enzym.
Die Folge: Die Cortisol-Konzentration in der Niere steigt an. Cortisol hat in hohen Mengen eine ähnliche Wirkung wie das Hormon Aldosteron.
2. Die Folgen für den Körper
Durch die aldosterone-ähnliche Wirkung kommt es zu zwei entscheidenden Veränderungen im Mineralstoffhaushalt:
- Natrium- und Wasserrückhaltung: Der Körper hält vermehrt Natrium und damit auch Wasser zurück. Das erhöht das Blutvolumen in den Gefäßen, was den Blutdruck direkt nach oben treibt. Es kann zudem zu Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe) führen.
- Kaliumverlust: Gleichzeitig scheidet die Niere vermehrt Kalium über den Urin aus. Ein niedriger Kaliumspiegel (Hypokaliämie) ist gefährlich, da Kalium für die Muskelfunktion und vor allem für einen stabilen Herzrhythmus essenziell ist.
3. Die gesundheitlichen Risiken
Für Menschen, die ohnehin schon an Bluthochdruck leiden, ergeben sich folgende Gefahren:
- Krisenhafter Blutdruckanstieg: Der Blutdruck kann Werte erreichen, die medikamentös schwer einzustellen sind.
- Herzrhythmusstörungen: Durch den Kaliummangel kann das Herz aus dem Takt geraten.
- Muskelschwäche: Kaliummangel führt zu Erschöpfung und Muskelproblemen.
Wie viel Lakritz ist "erlaubt"?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die WHO geben Orientierungswerte:
- Grenzwerte: Der Verzehr von mehr als 100 mg Glycyrrhizin pro Tag (das entspricht etwa 50 bis 100 Gramm normalem Lakritz) kann bei empfindlichen Personen bereits den Blutdruck erhöhen.
- Stark-Lakritz: In Deutschland muss Lakritz, das mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g enthält, als "Stark-Lakritz" gekennzeichnet sein. Menschen mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schwangere sollten dieses komplett meiden.
- Regelmäßigkeit: Das Problem verstärkt sich durch regelmäßigen Konsum über mehrere Tage hinweg, da der Körper Zeit braucht, um den Stoffwechsel wieder zu normalisieren.
Fazit
Wenn Sie unter Bluthochdruck leiden, müssen Sie Lakritz nicht zwingend komplett vom Speiseplan streichen, aber Sie sollten es als Genussmittel in sehr kleinen Mengen betrachten und keinesfalls täglich essen. Wer bereits Probleme mit dem Kaliumspiegel hat, sollte gänzlich darauf verzichten.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen kein ärztliches Beratungsgespräch.