Welche gesundheitlichen Risiken bestehen beim Verzehr von nicht pasteurisierter Vollmilch (Rohmilch)?

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Der Verzehr von Rohmilch (unbehandelte Milch direkt vom Erzeuger) birgt im Vergleich zu pasteurisierter Milch erhebliche gesundheitliche Risiken, da sie nicht erhitzt wurde, um potenzielle Krankheitserreger abzutöten.

Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Risiken im Detail:

1. Infektionen durch bakterielle Erreger

Rohmilch kann mit einer Vielzahl von Bakterien kontaminiert sein, die teils schwere Krankheitsverläufe verursachen. Die häufigsten Erreger sind:

  • Campylobacter: Dies ist der häufigste Erreger von bakteriellen Durchfallerkrankungen durch Rohmilch. Symptome sind starker Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber.
  • Salmonellen: Sie verursachen klassische Lebensmittelvergiftungen mit Erbrechen, Durchfall und Fieber.
  • EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli): Diese Bakterien können blutigen Durchfall verursachen. Besonders gefährlich ist die Komplikation des Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS), das zu akutem Nierenversagen führen kann (besonders bei Kindern).
  • Listerien (Listeria monocytogenes): Diese sind besonders für Schwangere gefährlich, da sie zu Fehlgeburten führen oder das Neugeborene schwer schädigen können, auch wenn die Mutter selbst kaum Symptome zeigt.
  • Brucellen und Mykobakterien: Sie sind seltener geworden (z. B. Erreger der Rindertuberkulose), können aber chronische Erkrankungen auslösen.

2. Risikogruppen (Besonders gefährdete Personen)

Bestimmte Personengruppen sollten Rohmilch unter keinen Umständen konsumieren, da ihr Immunsystem die Erreger nicht effektiv bekämpfen kann:

  • Kinder (besonders unter 5 Jahren)
  • Schwangere
  • Senioren
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. durch Krebstherapien, HIV oder Organtransplantationen)

3. Schwere Folgeschäden

Infektionen durch Rohmilch können über die akute Erkrankung hinaus langfristige Folgen haben:

  • Reaktive Arthritis: Gelenkentzündungen nach einer Infektion.
  • Guillain-Barré-Syndrom: Eine seltene Nervenerkrankung, die zu Lähmungen führen kann (oft nach einer Campylobacter-Infektion).
  • Chronische Nierenschäden: Nach einer EHEC-Infektion.

4. Herkunft der Kontamination

Die Milch in der Kuh ist normalerweise steril. Die Keime gelangen während oder nach dem Melken in die Milch durch:

  • Kotpartikel am Euter.
  • Infektionen des Euters (Mastitis).
  • Hautbakterien der Tiere.
  • Unzureichend gereinigte Melkanlagen oder Transportbehälter.
  • Insekten oder die Umgebungsluft im Stall.

Rechtliche Lage und Schutzmaßnahmen (Deutschland/EU)

Aufgrund der Risiken gibt es strenge Vorschriften:

  • Abgabe ab Hof: Landwirte dürfen Rohmilch nur direkt auf dem Hof verkaufen. Dabei muss der deutliche Hinweis angebracht sein: "Rohmilch vor dem Verzehr abkochen". Durch das Abkochen werden die Erreger abgetötet.
  • Vorzugsmilch: Dies ist eine spezielle Form der Rohmilch, die im Handel verkauft werden darf. Sie unterliegt extrem strengen Hygiene- und Kontrollauflagen. Dennoch raten Behörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Risikogruppen auch vom Konsum von Vorzugsmilch ab.

Fazit

Während Befürworter von Rohmilch oft auf einen besseren Geschmack oder einen höheren Nährstoffgehalt verweisen, ist aus medizinischer Sicht festzuhalten: Der minimale Verlust an hitzeempfindlichen Vitaminen durch die Pasteurisierung steht in keinem Verhältnis zu den potenziell lebensbedrohlichen Risiken einer bakteriellen Infektion durch Rohmilch.