Wie beeinflusst der Inhaltsstoff Glycyrrhizin in Lakritz den Kaliumspiegel im Körper?

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Der Inhaltsstoff Glycyrrhizin, der natürlicherweise in der Süßholzwurzel (und damit in Lakritz) vorkommt, senkt den Kaliumspiegel im Körper. Dieser Effekt wird medizinisch als Pseudohyperaldosteronismus bezeichnet.

Hier ist der genaue biologische Mechanismus Schritt für Schritt erklärt:

1. Die Blockade des Enzyms (11β-HSD2)

Im Körper gibt es ein Enzym namens 11-beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 (11β-HSD2). Die Aufgabe dieses Enzyms ist es, in der Niere das Hormon Cortisol in seine inaktive Form (Cortison) umzuwandeln.

Glycyrrhizin (bzw. sein Abbauprodukt Glycyrrhetinsäure) blockiert dieses Enzym.

2. Die Verwechslung an den Rezeptoren

Da das Enzym blockiert ist, steigt die Konzentration von aktivem Cortisol in der Niere stark an. Cortisol hat eine chemische Ähnlichkeit mit dem Hormon Aldosteron.

Normalerweise reguliert Aldosteron den Mineralhaushalt, indem es an sogenannte Mineralocorticoid-Rezeptoren bindet. Durch den Überschuss an Cortisol (das nun nicht mehr abgebaut wird) besetzt dieses die Rezeptoren, die eigentlich für Aldosteron gedacht sind.

3. Die Auswirkung auf die Niere (Kaliumverlust)

Wenn diese Rezeptoren aktiviert werden, signalisieren sie der Niere zwei Dinge:

  • Natrium und Wasser zurückhalten: Der Körper behält mehr Salz und Wasser im Blutkreislauf (was den Blutdruck erhöht).
  • Kalium ausscheiden: Im Gegenzug wird vermehrt Kalium über den Urin aus dem Körper geschwemmt.

Die Folgen eines niedrigen Kaliumspiegels (Hypokaliämie)

Ein durch übermäßigen Lakritzverzehr verursachter Kaliummangel kann zu verschiedenen Symptomen führen:

  • Muskelschwäche und Krämpfe.
  • Herzrhythmusstörungen (da Kalium für die elektrische Reizleitung am Herzen entscheidend ist).
  • Bluthochdruck (durch die gleichzeitige Natrium- und Wasseransammlung).
  • In extremen Fällen: Lähmungserscheinungen oder Ödeme (Wassereinlagerungen).

Wie viel Lakritz ist gefährlich?

Die Empfindlichkeit ist individuell sehr verschieden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die WHO geben jedoch Richtwerte an:

  • Grenzwerte: Ein regelmäßiger Verzehr von mehr als 100 mg Glycyrrhizin pro Tag (das entspricht etwa 50 bis 100 Gramm normalem Lakritz) kann bei empfindlichen Personen bereits zu Nebenwirkungen führen.
  • Stark-Lakritz: Produkte mit einem hohen Gehalt (über 200 mg pro 100 g) müssen in Deutschland als „Stark-Lakritz“ gekennzeichnet sein.

Besondere Vorsicht gilt für:

  • Menschen mit bereits bestehendem Bluthochdruck.
  • Menschen mit Nierenerkrankungen.
  • Schwangere.
  • Personen, die Medikamente einnehmen, die den Kaliumspiegel beeinflussen (z. B. Diuretika oder Herzglykoside).

Fazit: Glycyrrhizin wirkt wie ein „falsches Hormon“, das die Niere dazu bringt, wertvolles Kalium auszuscheiden und stattdessen Blutdruck-steigerndes Salz einzulagern.

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