Warum kann Lakritz die Wirkung von Medikamenten zur Entwässerung (Diuretika) beeinflussen?
Der Grund für die Wechselwirkung zwischen Lakritz und Entwässerungsmitteln (Diuretika) liegt in einem bestimmten Inhaltsstoff der Süßholzwurzel: der Glycyrrhizinsäure.
Diese Säure greift massiv in den Mineralstoffhaushalt des Körpers ein und verstärkt die Wirkung von Diuretika auf gefährliche Weise oder wirkt ihnen entgegen. Hier sind die Details:
1. Der Mechanismus: Der "Pseudo-Aldosteron-Effekt"
Glycyrrhizinsäure blockiert im Körper ein Enzym (11β-HSD2), das normalerweise das Stresshormon Cortisol inaktiviert. Wenn dieses Enzym blockiert ist, bleibt das Cortisol aktiv und wirkt an den Nieren wie das Hormon Aldosteron.
Aldosteron hat zwei Hauptaufgaben in der Niere:
- Es hält Natrium (und damit Wasser) im Körper zurück.
- Es schleust Kalium aus dem Körper aus.
2. Die Folgen für die Diuretika-Therapie
A. Gefährlicher Kaliummangel (Hypokaliämie)
Die meisten gängigen Entwässerungsmittel (wie Thiazide oder Schleifendiuretika wie Furosemid) führen ohnehin schon dazu, dass der Körper vermehrt Kalium ausscheidet. Lakritz verstärkt diesen Effekt massiv. Ein zu niedriger Kaliumspiegel ist gefährlich, da Kalium essenziell für die elektrische Erregung von Muskel- und Nervenzellen ist. Die Folgen können sein:
- Herzrhythmusstörungen (besonders gefährlich, wenn man gleichzeitig Herzmedikamente wie Digitalis/Digoxin einnimmt).
- Muskelschwäche oder Krämpfe.
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
B. Gegenspieler-Effekt bei der Entwässerung
Eigentlich nimmt man Diuretika, um überschüssiges Wasser und Salz aus dem Körper zu schwemmen (z. B. bei Bluthochdruck oder Ödemen). Da Lakritz aber durch den oben beschriebenen Effekt Natrium und Wasser im Körper zurückhält, wirkt es direkt gegen das Medikament. Der Blutdruck kann wieder steigen, und Wasseransammlungen können zunehmen.
Zusammenfassung: Warum ist das problematisch?
- Wirkungsverstärkung der Nebenwirkung: Beide (Lakritz + Diuretika) treiben das Kalium aus dem Körper -> Risiko für das Herz.
- Wirkungsminderung des Nutzens: Lakritz hält Wasser zurück, während das Diuretikum es ausschwemmen soll -> Der therapeutische Erfolg wird zunichtegemacht.
Was sollte man beachten?
- Menge: Gelegentlicher Verzehr kleiner Mengen Lakritz ist meist unbedenklich. Problematisch wird es bei regelmäßigem Konsum (mehr als 50-100g pro Tag) oder bei sogenanntem "Stark-Lakritz" (hoher Glycyrrhizin-Anteil).
- Risikogruppen: Patienten mit Bluthochdruck, Herzschwäche oder Nierenerkrankungen sollten bei Lakritz besonders vorsichtig sein.
- Alternative: Es gibt im Handel auch Lakritz ohne Glycyrrhizin (deglycyrrhiziniertes Lakritz, DGL), das diesen Effekt nicht hat, aber in Deutschland seltener als Süßigkeit zu finden ist.
Hinweis: Wenn Sie Entwässerungsmittel einnehmen und regelmäßig Lakritz essen, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen und ggf. Ihre Elektrolytwerte (Kalium) kontrollieren lassen.