Warum dürfen Kinder bei bestimmten Virusinfektionen keine Acetylsalicylsäure einnehmen?
Kinder und Jugendliche sollten bei Virusinfektionen (insbesondere bei Grippe/Influenza oder Windpocken) keine Acetylsalicylsäure (ASS, am bekanntesten unter dem Markennamen Aspirin) einnehmen, da die Gefahr des sogenannten Reye-Syndroms besteht.
Hier sind die wichtigsten Details dazu:
Was ist das Reye-Syndrom?
Das Reye-Syndrom ist eine sehr seltene, aber extrem gefährliche und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Sie führt zu zwei Hauptproblemen:
- Akute Gehirnschädigung (Enzephalopathie): Das Gehirn schwillt an, was zu Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen und Koma führen kann.
- Leberschädigung: Es kommt zu einer massiven Fetteinlagerung in der Leber, wodurch deren Funktion stark beeinträchtigt wird.
Warum passiert das?
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Man weiß jedoch, dass die Kombination aus einer bestimmten Virusinfektion und der Einnahme von Salicylaten (wie ASS) die Mitochondrien (die „Kraftwerke“ der Zellen) schädigt. Dies stört den Stoffwechsel so massiv, dass es zu den oben genannten Organversagen kommt.
Wer ist betroffen?
- Vor allem Kinder und Jugendliche bis etwa zum 15. oder 16. Lebensjahr.
- In Deutschland und vielen anderen Ländern ist auf Packungsbeilagen von ASS-Präparaten daher ein Warnhinweis verpflichtend: Kinder und Jugendliche dürfen das Medikament nur auf ärztliche Anweisung und nur dann einnehmen, wenn andere Maßnahmen nicht wirken.
Was sind die Symptome?
Das Syndrom tritt meistens in der Phase auf, in der das Kind eigentlich beginnt, sich von der Virusinfektion zu erholen. Typische Anzeichen sind:
- Heftiges, unstillbares Erbrechen.
- Ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Lethargie.
- Verwirrtheit, Aggressivität oder Halluzinationen.
- Im schlimmsten Fall Bewusstlosigkeit.
Welche Alternativen gibt es?
Um Fieber zu senken oder Schmerzen bei Kindern zu lindern, gelten heute andere Wirkstoffe als Mittel der Wahl, die dieses Risiko nicht bergen:
- Paracetamol
- Ibuprofen
Fazit: Da man bei einem fieberhaften Infekt oft nicht sofort weiß, ob es sich um ein Virus (wie Influenza) handelt, sollte man bei Kindern sicherheitshalber komplett auf Acetylsalicylsäure verzichten, sofern ein Arzt es nicht ausdrücklich für einen speziellen Fall (z. B. Kawasaki-Syndrom) verordnet hat.