Kann die Anwendung von Acetylsalicylsäure bei Asthmatikern schwere Atemnot auslösen?

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Ja, die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS, bekannt als Aspirin) kann bei Asthmatikern schwere, potenziell lebensbedrohliche Atemnot auslösen.

Dieses Phänomen ist medizinisch gut dokumentiert und wird oft als Analgetika-Asthma oder Aspirin-Exacerbated Respiratory Disease (AERD) bezeichnet. In Deutschland ist es auch als Teil der sogenannten „Samter-Trias“ bekannt.

Hier sind die wichtigsten Details dazu:

1. Warum passiert das? (Der Mechanismus)

Es handelt sich dabei meist nicht um eine klassische Allergie, sondern um eine Pseudoallergie (eine Stoffwechselunverträglichkeit).

  • ASS blockiert ein bestimmtes Enzym (COX-1).
  • Dadurch wird der Stoffwechsel der Arachidonsäure im Körper verändert.
  • Es entstehen weniger entzündungshemmende Stoffe, dafür aber massiv mehr sogenannte Leukotriene.
  • Leukotriene sind extrem starke Botenstoffe, die die Bronchien verengen und die Schleimbildung fördern – was zum Asthmaanfall führt.

2. Wer ist betroffen?

Nicht alle Asthmatiker reagieren auf ASS. Man schätzt, dass etwa 5 bis 10 % aller erwachsenen Asthmatiker betroffen sind. Besonders hoch ist das Risiko bei Patienten, die zusätzlich unter Nasenpolypen und chronischer Nasennebenhöhlenentzündung leiden (die oben genannte Samter-Trias).

3. Was sind die Symptome?

Die Reaktion tritt meist schnell (Minuten bis ca. 3 Stunden nach der Einnahme) ein:

  • Starke Atemnot (Bronchospasmus).
  • Fließschnupfen oder plötzlich verstopfte Nase.
  • Rötung des Gesichts (Flush).
  • Manchmal auch Quaddelbildung auf der Haut (Urtikaria).
  • Im schlimmsten Fall ein anaphylaktischer Schock.

4. Welche Medikamente sind noch gefährlich?

Da der Mechanismus über das Enzym COX-1 läuft, reagieren Betroffene meist auch auf andere gängige Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), wie:

  • Ibuprofen
  • Diclofenac
  • Naproxen

5. Welche Alternativen gibt es?

Asthmatiker, die auf ASS reagieren, vertragen in der Regel:

  • Paracetamol (in normalen Dosen meist unbedenklich, bei sehr hohen Dosen ist jedoch Vorsicht geboten).
  • Selektive COX-2-Hemmer (Coxibe): Diese blockieren ein anderes Enzym und lösen daher meist keine Atembeschwerden aus (müssen vom Arzt verschrieben werden).
  • Opiate/Opioide (bei starken Schmerzen, nach ärztlicher Rücksprache).

Wichtiger Rat:

Wenn Sie Asthmatiker sind und bisher noch nie ASS oder Ibuprofen eingenommen haben, sollten Sie dies nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt tun. Wenn Sie wissen, dass Sie darauf reagieren, müssen Sie ASS und verwandte Medikamente strikt meiden und dies bei jedem Arztbesuch oder in der Apotheke angeben.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Im Notfall wählen Sie bitte sofort die 112.

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