Warum kann die Einnahme von Acetylsalicylsäure das Risiko für Magengeschwüre und Magenblutungen erhöhen?

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Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS, bekannt unter dem Markennamen Aspirin) erhöht das Risiko für Magengeschwüre und Blutungen primär durch zwei Mechanismen: einen systemischen (den ganzen Körper betreffenden) und einen lokalen (direkt im Magen wirkenden).

Hier ist die detaillierte Erklärung:

1. Der systemische Mechanismus: Hemmung der Prostaglandine (Hauptursache)

ASS gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Diese Medikamente wirken, indem sie bestimmte Enzyme im Körper blockieren, die sogenannten Cyclooxygenasen (COX-1 und COX-2).

  • Die Rolle von COX-1: Dieses Enzym ist im Körper unter anderem dafür zuständig, schützende Botenstoffe zu produzieren, die Prostaglandine.
  • Schutzfunktion im Magen: Im Magen haben Prostaglandine drei lebenswichtige Aufgaben:
    1. Sie fördern die Produktion von Magenschleim (Mucus), der die Magenwand vor der aggressiven Magensäure abschirmt.
    2. Sie stimulieren die Produktion von Bicarbonat, das die Magensäure direkt an der Schleimhautoberfläche neutralisiert.
    3. Sie sorgen für eine gute Durchblutung der Magenschleimhaut, damit Schäden schnell repariert werden können.

Die Folge von ASS: Durch die Hemmung von COX-1 werden weniger Prostaglandine gebildet. Die Schutzbarriere des Magens wird dünner und „lückenhaft“. Die körpereigene Magensäure kann nun das eigene Gewebe angreifen, was zu Entzündungen (Gastritis) und schließlich zu Geschwüren (Ulzera) führt.

2. Der lokale Mechanismus: Direkte Reizung

ASS selbst ist eine schwache Säure. Wenn eine Tablette im Magen zerfällt, kann die Substanz die Schleimhautzellen direkt chemisch reizen und schädigen. Da ASS fettlöslich ist, kann sie in die Zellen der Magenwand eindringen und dort den Stoffwechsel stören, noch bevor sie in den Blutkreislauf aufgenommen wird.

3. Das erhöhte Blutungsrisiko (Blutverdünnung)

ASS hat zusätzlich eine besondere Eigenschaft: Es hemmt die Thrombozytenaggregation (das Zusammenkleben der Blutplättchen). Das Blut wird „dünner“ und gerinnt langsamer.

  • Der Effekt: Wenn durch die oben genannten Mechanismen ein kleiner Defekt oder ein Geschwür in der Magenwand entsteht, verhindert ASS, dass sich die Wunde schnell durch ein Blutgerinnsel schließt. Eine kleine Verletzung, die normalerweise schnell heilen würde, kann so zu einer schweren, lang anhaltenden Magenblutung führen.

Zusammenfassung der Risikofaktoren

Das Risiko für diese Nebenwirkungen steigt erheblich durch:

  • Höhere Dosierung: Schmerzmitteldosen (z. B. 500 mg) sind riskanter als die niedrigen Dosen zur Herzinfarkt-Prävention (100 mg), wobei auch bei 100 mg ein Restrisiko bleibt.
  • Langzeiteinnahme: Je länger ASS eingenommen wird, desto größer ist die Gefahr für die Schleimhaut.
  • Kombination mit anderen Medikamenten: Besonders gefährlich ist die gleichzeitige Einnahme von Kortison (erhöht das Geschwürrisiko massiv) oder anderen Blutverdünnern.
  • Vorerkrankungen: Ein höheres Alter oder bereits bestehende Magenprobleme erhöhen das Risiko.

Wichtiger Hinweis: Um den Magen bei einer notwendigen ASS-Therapie zu schützen, verschreiben Ärzte oft zusätzlich einen „Magenschutz“ (wie zum Beispiel Pantoprazol oder Omeprazol), der die Produktion der Magensäure reduziert.

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