Können hohe Dosen von Acetylsalicylsäure vorübergehendes Ohrensausen oder Tinnitus verursachen?
Ja, das ist ein bekannter und wissenschaftlich belegter Nebeneffekt von Acetylsalicylsäure (ASS, bekannt unter dem Markennamen Aspirin).
Hier sind die wichtigsten Fakten zu diesem Phänomen:
1. Zusammenhang mit der Dosis
Tinnitus tritt in der Regel bei hohen Dosen von ASS auf. Während die niedrige Dosierung zur Blutverdünnung (meist 100 mg täglich) selten Probleme verursacht, kann es bei schmerzlindernden oder entzündungshemmenden Dosen (oft ab 2 bis 4 Gramm pro Tag) zu Ohrengeräuschen kommen. Die Empfindlichkeit ist jedoch individuell verschieden; bei manchen Menschen tritt der Effekt schon früher auf.
2. Warum passiert das? (Ototoxizität)
ASS wirkt "ototoxisch", das bedeutet giftig für das Innenohr. Der Wirkstoff beeinflusst die biochemischen Prozesse in den äußeren Haarzellen der Cochlea (Hörschnecke). Er verändert die elektrische Spannung in diesen Zellen und beeinflusst die Weiterleitung von Signalen an den Hörnerv. Das Gehirn interpretiert diese Fehlfunktionen als ein Klingeln, Pfeifen oder Rauschen.
3. Ist es vorübergehend?
In den meisten Fällen ist dieser Tinnitus reversibel. Das bedeutet:
- Sobald die Einnahme von ASS gestoppt wird oder die Dosis deutlich reduziert wird, verschwindet das Ohrensausen meist innerhalb von 24 bis 72 Stunden.
- In sehr seltenen Fällen und bei extrem hohen Dosen über einen langen Zeitraum kann es theoretisch zu bleibenden Schäden kommen, aber das ist die Ausnahme.
4. Weitere Symptome
Zusätzlich zum Tinnitus können bei einer hohen Dosierung folgende Symptome auftreten:
- Vorübergehende Schwerhörigkeit (Dumpfheitsgefühl).
- Schwindelgefühle.
Was sollten Sie tun?
Wenn Sie unter der Einnahme von ASS ein Ohrensausen bemerken:
- Dosis reduzieren/absetzen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob Sie die Dosis verringern oder auf ein anderes Schmerzmittel (wie z. B. Ibuprofen oder Paracetamol, wobei auch diese in hohen Dosen Nebenwirkungen haben können) umsteigen können.
- Ärztliche Rücksprache: Setzen Sie Medikamente, die Ihnen zur Vorbeugung von Herzinfarkt oder Schlaganfall verschrieben wurden, niemals eigenmächtig ab.
- Warnsignal: Sehen Sie den Tinnitus als Warnsignal Ihres Körpers, dass die Konzentration des Wirkstoffs im Blut momentan zu hoch ist.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung.