Wie beeinflusst Acetylsalicylsäure die Blutgerinnung?

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Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt unter dem Markennamen Aspirin, beeinflusst die Blutgerinnung, indem sie die Funktion der Blutplättchen (Thrombozyten) dauerhaft hemmt.

Hier ist der Mechanismus im Detail erklärt:

1. Hemmung des Enzyms COX-1

Der entscheidende Prozess findet auf biochemischer Ebene statt. ASS blockiert ein bestimmtes Enzym in den Blutplättchen: die Cyclooxygenase-1 (COX-1).

  • Der normale Vorgang: Normalerweise wandelt die COX-1 im Blutplättchen Arachidonsäure in Thromboxan A2 um. Thromboxan A2 ist ein starker Botenstoff, der dafür sorgt, dass sich die Blutplättchen zusammenballen (Aggregatbildung) und sich die Blutgefäße verengen. Das ist wichtig, um Wunden schnell zu verschließen.
  • Die Wirkung von ASS: ASS überträgt eine Acetylgruppe auf das Enzym COX-1 und schaltet es damit aus. Dadurch kann kein Thromboxan A2 mehr gebildet werden. Die Blutplättchen verlieren ihre Fähigkeit, aneinander zu kleben („verklumpen“).

2. Irreversible (unumkehrbare) Wirkung

Das Besondere an ASS im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln (wie Ibuprofen) ist, dass die Hemmung irreversibel ist.

Blutplättchen haben keinen Zellkern und können daher keine neuen Enzyme nachproduzieren. Wenn die COX-1 einmal durch ASS blockiert ist, bleibt dieses Blutplättchen für den Rest seiner Lebensdauer (ca. 7 bis 10 Tage) funktionsunfähig in Bezug auf die Gerinnung. Erst wenn der Körper neue Blutplättchen im Knochenmark gebildet hat, normalisiert sich die Gerinnung wieder.

3. "Blutverdünnung" – ein irreführender Begriff

Umgangssprachlich wird ASS oft als „Blutverdünner“ bezeichnet. Das ist medizinisch gesehen nicht ganz korrekt:

  • Das Blut wird nicht dünnflüssiger (die Viskosität ändert sich nicht).
  • Stattdessen wird die Aggregation (Verklumpung) der Plättchen gehemmt. Fachsprachlich nennt man ASS daher einen Thrombozytenaggregationshemmer.

4. Medizinische Anwendung

Aufgrund dieser Eigenschaft wird ASS in niedriger Dosierung (meist 100 mg täglich) zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt:

  • Herzinfarkt-Prävention: Es verhindert, dass sich in verengten Herzkranzgefäßen Blutgerinnsel bilden, die das Gefäß komplett verschließen könnten.
  • Schlaganfall-Prävention: Es mindert das Risiko von Gerinnseln, die ins Gehirn wandern könnten.

5. Risiken und Nebenwirkungen

Da die Blutgerinnung herabgesetzt ist, ergeben sich spezifische Risiken:

  • Erhöhte Blutungsneigung: Wunden bluten länger, und blaue Flecken (Hämatome) entstehen schneller.
  • Magenprobleme: Da die COX-1 auch für den Schutz der Magenschleimhaut wichtig ist, kann die Einnahme von ASS zu Magengeschwüren oder Magenblutungen führen.
  • OP-Vorbereitung: Vor geplanten Operationen muss ASS in der Regel nach Rücksprache mit dem Arzt rechtzeitig (etwa eine Woche vorher) abgesetzt werden, um gefährliche Blutungen während des Eingriffs zu vermeiden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Vor der regelmäßigen Einnahme von ASS zur Blutverdünnung sollte immer ein Arzt konsultiert werden.