Warum zeigt Charles Proxy keine Anfragen von meiner mobilen App an?

Melden
  1. Fehlende richtige Proxy-Einstellungen auf dem mobilen Gerät
  2. SSL-Proxying und installiertes Charles-Zertifikat
  3. App-spezifische Sicherheitsmechanismen
  4. Netzwerkumgebung und Firewall-Einstellungen
  5. Zusammenfassung

Fehlende richtige Proxy-Einstellungen auf dem mobilen Gerät

Charles Proxy fungiert als ein Man-in-the-Middle-Proxy, der den Netzwerkverkehr via HTTP oder HTTPS abfängt. Damit die mobilen Anfragen erfasst werden, muss das mobile Gerät so konfiguriert sein, dass dessen Netzwerktraffic über Charles läuft. Dies geschieht normalerweise durch eine manuelle Proxy-Einstellung im WLAN des mobilen Geräts, bei der die IP-Adresse des Rechners mit Charles und der Port (standardmäßig 8888) eingetragen werden.

Wenn diese Proxy-Einstellungen fehlen oder falsch sind, gelangen die Anfragen direkt ins Internet und Charles registriert keine eingehenden Verbindungen. Daher ist es essenziell, in den WLAN-Einstellungen des Smartphones den Proxy korrekt einzutragen.

SSL-Proxying und installiertes Charles-Zertifikat

Heutige Apps nutzen zumeist HTTPS für die Kommunikation. Charles kann den verschlüsselten Traffic zwar abfangen, allerdings nur, wenn das entsprechende root-Zertifikat auf dem mobilen Gerät installiert und als vertrauenswürdig markiert ist. Ohne dieses Zertifikat weigert sich die App aufgrund von Zertifikatsfehlern, den Netzwerkverkehr über Charles zu leiten.

Daher muss auf dem mobilen Endgerät das Charles-Root-Zertifikat installiert und die Vertrauensstellung bestätigt sein. Dieses Zertifikat kann Charles direkt bereitstellen (z. B. via chls.pro/ssl). Fehlt dieses, werden Anfragen zum Beispiel zwar das Gerät verlassen, aber sie tauchen nicht im Charles-Interface auf oder es kommt zu Verbindungsabbrüchen.

App-spezifische Sicherheitsmechanismen

Moderne mobile Apps implementieren häufig Mechanismen wie SSL-Pinning oder eigene Netzwerk-Layer, die nur Verbindungen mit bestimmten Zertifikaten akzeptieren. SSL-Pinning sorgt dafür, dass ein speziell hinterlegtes Zertifikat erwartet wird und verhindert so das Abhören via Proxy. In einem solchen Fall erkennt die App trotz installiertem Charles-Zertifikat, dass die Verbindung manipuliert wird, und blockiert die Kommunikation.

Dadurch zeigt Charles keine oder nur sehr eingeschränkte Anfragen an. Um dies zu umgehen, müsste das SSL-Pinning deaktiviert oder umgangen werden, was allerdings aus Sicherheitsgründen nicht empfohlen und meist technisch anspruchsvoll ist.

Netzwerkumgebung und Firewall-Einstellungen

Auch die Netzwerkumgebung kann eine Rolle spielen. Wenn sich das mobile Gerät in einem anderen Subnetz befindet oder zwischen dem Gerät und dem Rechner mit Charles eine Firewall läuft, kann der Proxy-Traffic blockiert werden. Charles benötigt direkte Erreichbarkeit und oft auch, dass der Rechner mit Charles und das mobile Gerät im gleichen WLAN-Netzwerk sind.

Zudem kann die Windows- oder Mac-Firewall auf dem Rechner den eingehenden Traffic von mobilen Geräten blockieren. Eine Prüfung und ggf. Anpassung der Firewalleinstellungen ist daher ratsam.

Zusammenfassung

Charles Proxy zeigt keine Anfragen von einer mobilen App an, wenn das mobile Gerät nicht als Proxy auf Charles eingestellt ist, das Charles-Root-Zertifikat für HTTPS nicht installiert oder nicht als vertrauenswürdig markiert wurde oder die App Sicherheitsmechanismen wie SSL-Pinning verwendet. Ebenfalls können Netzwerkeinstellungen und Firewalls verhindern, dass der Datenverkehr überhaupt bei Charles ankommt. Die sorgfältige Überprüfung und Konfiguration dieser Punkte ist entscheidend, um den Netzwerkverkehr einer mobilen App mittels Charles Proxy einsehen zu können.

0

Kommentare