Wie gelangt Mikroplastik in kommerzielles Meersalz?
Mikroplastik gelangt auf verschiedenen Wegen in kommerzielles Meersalz. Der Prozess beginnt bereits bei der Quelle und setzt sich bis zur Verpackung fort.
Hier sind die Hauptursachen im Detail:
1. Kontaminiertes Meerwasser (Die Hauptquelle)
Da Meersalz durch das Verdampfen von Meerwasser gewonnen wird, ist die Qualität des Salzes direkt an die Reinheit des Wassers gebunden.
- Globale Verschmutzung: Schätzungsweise landen jährlich Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen. Durch UV-Strahlung, Wellenbewegung und mechanische Reibung zerfällt dieser Müll in winzige Fragmente (sekundäres Mikroplastik).
- Konzentrationsprozess: Bei der traditionellen Salzgewinnung in Salinen wird Meerwasser in flache Becken geleitet. Wenn das Wasser durch Sonne und Wind verdunstet, bleiben alle darin enthaltenen Feststoffe zurück – dazu gehören Mineralien, aber eben auch die im Wasser schwebenden Mikroplastikpartikel.
2. Atmosphärische Deposition (Luftweg)
Mikroplastikpartikel sind so leicht, dass sie durch den Wind über weite Strecken transportiert werden können.
- Eintrag von oben: Da die meisten Meersalzanlagen (Salinen) riesige offene Flächen im Freien sind, lagert sich Mikroplastik aus der Luft direkt in den Verdunstungsbecken ab. Studien haben gezeigt, dass Partikel aus Reifenabrieb oder Textilfasern über die Atmosphäre in die Salzanlagen geweht werden.
3. Der Gewinnungsprozess und die Infrastruktur
Auch die Technik, die zur Ernte des Salzes eingesetzt wird, kann eine Quelle sein:
- Maschinen: Bagger, Förderbänder und Rohrleitungen, die bei der industriellen Ernte und Reinigung von Salz zum Einsatz kommen, bestehen oft aus Kunststoffen oder sind mit Polymeren beschichtet. Durch Abrieb gelangen Partikel direkt in das Produkt.
- Ausrüstung: In manchen Regionen werden Kunststoffnetze oder Planen verwendet, um das Salz zu trocknen oder zu lagern, was ebenfalls zu Kontaminationen führen kann.
4. Verarbeitung und Verpackung
Nach der Ernte wird das Salz oft gewaschen, getrocknet, gemahlen und verpackt.
- Abrieb beim Mahlen: Wenn das Salz in Mühlen zerkleinert wird, kann mechanischer Abrieb von Kunststoffteilen entstehen.
- Verpackung: Die meisten kommerziellen Salze werden in Plastikbeuteln oder Kunststoffdosen verkauft. Beim Abfüllen oder beim Öffnen der Verpackung durch den Endverbraucher können sich winzige Fragmente vom Verpackungsmaterial lösen und mit dem Salz vermischen.
Welche Arten von Plastik findet man am häufigsten?
In Untersuchungen von Meersalz werden meistens folgende Kunststoffe nachgewiesen:
- Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP): Stammen meist von Flaschenverschlüssen, Tüten und Fischereizubehör.
- Polyethylenterephthalat (PET): Oft von Einwegflaschen oder Textilfasern.
- Polystyrol (PS): Von Schaumstoffen und Verpackungsmaterial.
Zusammenfassung
Das Mikroplastik im Meersalz ist primär ein Spiegelbild der allgemeinen Verschmutzung unserer Weltmeere. Da Salz ein Naturprodukt ist, das durch Aufkonzentrierung von Meerwasser entsteht, "filtert" der Herstellungsprozess das Plastik unfreiwillig aus dem Wasser heraus und bindet es in den Salzkristallen.
Interessanter Fakt: Im Vergleich zu anderen Quellen (wie z.B. Trinkwasser aus Plastikflaschen oder Staub in der Hausluft) ist die Menge an Mikroplastik, die wir über Meersalz aufnehmen, laut aktueller Studienlage eher gering – dennoch ist es ein deutlicher Indikator für die globale Umweltbelastung.