Wie stark sind Scampis aus belasteten Gewässern mit Mikroplastik oder Schwermetallen verunreinigt?

Melden

Die Belastung von Scampis (Kaisergranat) und Garnelen mit Mikroplastik und Schwermetallen ist ein ernsthaftes Umweltthema. Da diese Tiere überwiegend am Boden leben (Benthos) und organische Reste aus dem Sediment fressen, sind sie Schadstoffen besonders ausgesetzt.

Wie stark die Verunreinigung tatsächlich ist, hängt massiv von der Herkunft und der Art der Aufzucht ab. Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung:

1. Schwermetalle (Quecksilber, Cadmium, Blei)

Schwermetalle gelangen durch Industrieabwässer, Bergbau und Schifffahrt in die Meere. Da Scampis am Boden leben, nehmen sie diese Stoffe über das Sediment und ihre Nahrung auf.

  • Cadmium: Dies ist bei Krustentieren das kritischste Schwermetall. Es reichert sich vor allem in den Verdauungsorganen (Mitteldarmdrüse) an. Wenn man das Muskelfleisch isst, ist die Belastung oft geringer, als wenn man ganze Tiere (z. B. in Suppen) verarbeitet.
  • Quecksilber: Im Vergleich zu großen Raubfischen (wie Thunfisch oder Hai) ist die Quecksilberbelastung bei Scampis meist eher gering, da sie kürzer leben und weiter unten in der Nahrungskette stehen.
  • Blei und Arsen: Diese werden regelmäßig in Proben aus belasteten Gebieten (besonders Südostasien) gefunden, liegen aber in Europa meist unter den gesetzlichen Grenzwerten, solange sie über den regulären Handel bezogen werden.

2. Mikroplastik

Mikroplastik ist in fast allen Meeresregionen nachweisbar. Da Plastikpartikel mit der Zeit absinken, sammeln sie sich verstärkt im Bodensediment an – genau dort, wo Scampis leben.

  • Aufnahme: Studien zeigen, dass Garnelen und Scampis Plastikfasern und Partikel für Nahrung halten. In belasteten Gebieten (z. B. küstennahe Gewässer in Asien oder Teile des Mittelmeers) wurden in fast allen untersuchten Individuen Mikroplastikpartikel gefunden.
  • Wo sitzt das Plastik? Der Großteil des Mikroplastiks befindet sich im Verdauungstrakt (dem schwarzen "Darmfaden"). Da dieser beim Verzehr von Scampis meist entfernt wird, ist die direkte Aufnahme durch den Menschen reduziert.
  • Nanoplastik: Neuere Forschungen untersuchen, ob kleinste Partikel (Nanoplastik) vom Darm in das Muskelgewebe übergehen können. Hierzu gibt es noch keine abschließenden Grenzwerte, aber es ist ein wachsendes besorgniserregendes Forschungsfeld.

3. Herkunft als entscheidender Faktor

Die Stärke der Belastung variiert extrem je nach Fanggebiet:

  • Wildfang aus belasteten Küstenregionen (z. B. Südostasien): Hier ist das Risiko für Schwermetalle und Mikroplastik aufgrund fehlender Kläranlagen und hoher Industriedichte am höchsten.
  • Aquakulturen (Zucht): Hier ist Mikroplastik weniger ein Problem des Meeresbodens, kann aber über das Fischmehl (Futter) in die Tiere gelangen. Ein größeres Problem in konventionellen Zuchten sind eher Rückstände von Antibiotika und Pestiziden.
  • Nordatlantik / Nordsee (Wildfang): Diese Gebiete werden streng überwacht. Die Belastung ist vorhanden, überschreitet aber selten die Grenzwerte der EU-Schadstoffverordnung.

4. Gesundheitsrisiko und Empfehlung

Für den Endverbraucher in der EU gilt: Die Lebensmittelüberwachung ist recht streng. Proben, die die Grenzwerte für Schwermetalle deutlich überschreiten, dürfen nicht in den Handel.

Tipps zur Minimierung der Aufnahme:

  1. Darm entfernen: Den schwarzen Faden am Rücken konsequent entfernen, da sich dort die meisten Schadstoffe und Mikroplastikpartikel konzentrieren.
  2. Herkunft prüfen: Produkte mit Siegeln wie MSC (nachhaltiger Wildfang) oder ASC/Bio (kontrollierte Zucht) wählen.
  3. Abwechslung: Wie bei allen Meeresfrüchten gilt: Nicht täglich konsumieren, um die Kumulation von Schwermetallen im eigenen Körper zu vermeiden.

Fazit: In stark belasteten Gewässern können Scampis erheblich verunreinigt sein. Im deutschen Handel befinden sich jedoch meist Produkte, die die gesundheitlich kritischen Grenzwerte unterschreiten, wobei Mikroplastik ein systemisches Problem bleibt, das durch das Entfernen des Darms teilweise umgangen werden kann.

0