Ist Meersalz durch Meeresverschmutzung mit Giftstoffen belastet?
Die kurze Antwort lautet: Ja, Meersalz enthält heutzutage Rückstände der Meeresverschmutzung. Die Belastung betrifft vor allem zwei Bereiche: Mikroplastik und Schwermetalle.
Hier ist eine detaillierte Analyse der Situation:
1. Mikroplastik: Das größte Problem
In fast allen untersuchten Meersalzproben weltweit wurde in den letzten Jahren Mikroplastik nachgewiesen. Da Meersalz durch das Verdampfen von Meerwasser in Salinen gewonnen wird, bleiben alle nicht-flüchtigen Bestandteile des Wassers – eben auch kleinste Kunststoffpartikel – im Salz zurück.
- Woher kommt es? Aus zerfallendem Plastikmüll, Reifenabrieb und synthetischen Textilien.
- Menge: Studien haben gezeigt, dass ein durchschnittlicher Erwachsener über Meersalz einige hundert bis tausend Mikroplastikpartikel pro Jahr aufnehmen kann.
- Besonderheit "Fleur de Sel": Die edle "Salzblume" ist oft stärker belastet als herkömmliches Meersalz. Da sie an der Wasseroberfläche abgeschöpft wird und Plastikpartikel oft oben schwimmen, reichert es sich dort besonders an.
2. Schwermetalle und Chemikalien
Meersalz kann Spuren von Schwermetallen enthalten, die durch Industrieabwässer in die Ozeane gelangen:
- Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen: Diese Stoffe sind in den Weltmeeren vorhanden.
- Grenzwerte: In der EU gibt es strenge Grenzwerte für Lebensmittel. Die meisten im Handel erhältlichen Meersalze unterschreiten diese Grenzwerte deutlich. Dennoch sind sie in kleinsten Spuren (Traces) nachweisbar.
3. Vergleich: Meersalz vs. Steinsalz
Wenn Sie die Belastung minimieren wollen, ist Steinsalz (oft auch als Ursalz oder Bergsalz vermarktet) die reinere Wahl:
- Entstehung: Steinsalz ist eigentlich auch Meersalz, aber es entstand vor Millionen von Jahren (z. B. das bekannte Himalaya-Salz oder deutsches Steinsalz aus dem Zechsteinmeer).
- Vorteil: Da dieses Salz abgelagert wurde, lange bevor der Mensch die Umwelt mit Plastik und Industrieabfällen verschmutzte, ist es frei von modernem Mikroplastik und heutigen Umweltgiften.
4. Wie gefährlich ist das für die Gesundheit?
Die Wissenschaft gibt hier vorerst leichte Entwarnung, ordnet das Problem aber ein:
- Geringe Menge: Wir nehmen Salz nur in Gramm-Mengen zu uns (empfohlen sind max. 5-6 Gramm pro Tag). Die Menge an Schadstoffen, die wir über das Salz aufnehmen, ist im Vergleich zu anderen Quellen (wie Fisch, Trinkwasser oder sogar der Luft, die wir atmen) meist sehr gering.
- Langzeitfolgen: Die gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastik im menschlichen Körper sind noch nicht abschließend geklärt.
Fazit und Empfehlung
Meersalz ist heute tatsächlich mit "modernem" Zivilisationsmüll belastet.
- Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen: Greifen Sie zu Steinsalz. Es ist geologisch geschützt und von der modernen Meeresverschmutzung isoliert.
- Wenn Sie Meersalz lieben: Achten Sie auf hochwertige Anbieter, die ihre Chargen auf Schadstoffe prüfen. Meiden Sie bei extremer Sorge um Mikroplastik vor allem die oberflächlich gewonnenen Sorten wie Fleur de Sel.
Wichtig zu wissen: Aus rein ernährungsphysiologischer Sicht ist der Unterschied zwischen den Salzarten gering. Alle bestehen zu etwa 97 bis 99 % aus Natriumchlorid. Die im Meersalz enthaltenen "gesunden Mineralien" sind in so geringen Mengen vorhanden, dass man kiloweise Salz essen müsste, um davon zu profitieren – was wiederum extrem ungesund wäre.