Wie fördern Stützstrümpfe die Durchblutung in den Beinen?
Stützstrümpfe (und vor allem die medizinisch wirksameren Kompressionsstrümpfe) fördern die Durchblutung durch gezielten mechanischen Druck von außen. Da das Blut in den Beinen gegen die Schwerkraft nach oben zum Herzen transportiert werden muss, leisten die Venen Schwerstarbeit.
Hier sind die wichtigsten Mechanismen, wie die Strümpfe dabei helfen:
1. Verengung der Venen (Der "Gartenschlauch-Effekt")
Durch den Druck des Strumpfes wird der Durchmesser der Venen verringert. Physikalisch passiert dabei das Gleiche wie bei einem Gartenschlauch, den man vorne etwas zusammendrückt: Das Blut fließt bei geringerem Gefäßdurchmesser schneller. Dies verhindert, dass das Blut in den Beinen versackt oder stagniert.
2. Schluss der Venenklappen
In den Venen befinden sich Klappen, die wie Rückschlagventile funktionieren: Sie lassen das Blut nach oben fließen, verhindern aber, dass es zurück nach unten sackt. Wenn die Venen jedoch (z. B. durch Bindegewebsschwäche) zu weit gedehnt sind, können diese Klappen nicht mehr richtig schließen – es entstehen Krampfadern und Schwellungen. Der Strumpf drückt die Venen so weit zusammen, dass die Venenklappen wieder schließen und ihre Ventilfunktion erfüllen können.
3. Unterstützung der Muskelpumpe
Wenn wir gehen, spannen sich die Wadenmuskeln an und pressen die Venen zusammen, was das Blut nach oben drückt (Wadenmuskelpumpe). Der Kompressionsstrumpf bildet hierbei einen festen Widerstand für den Muskel. Der Muskel arbeitet also gegen den Strumpf, wodurch der Druck auf die Venen beim Gehen deutlich effizienter wird. Das Blut wird regelrecht nach oben "gepumpt".
4. Das Druckgefälle (Degressiver Druckverlauf)
Ein korrekt angepasster Strumpf hat einen definierten Druckverlauf: Am Knöchel ist der Druck am stärksten und nimmt nach oben hin (Richtung Wade/Oberschenkel) kontinuierlich ab. Dieses Gefälle wirkt wie eine sanfte Massage nach oben und leitet das Blut aktiv in Richtung Herz.
5. Verringerung von Ödemen (Wassereinlagerungen)
Durch den erhöhten Druck im Gewebe wird verhindert, dass zu viel Flüssigkeit aus den Kapillaren (kleinsten Blutgefäßen) in das umliegende Gewebe austritt. Bestehende Schwellungen (Ödeme) werden zudem sanft zurück in die Gefäße und das Lymphsystem gedrückt und abtransportiert.
Wichtiger Unterschied: Stützstrumpf vs. Kompressionsstrumpf
In der Umgangssprache werden die Begriffe oft vermischt, es gibt aber einen medizinischen Unterschied:
- Stützstrümpfe: Sind für Venen-Gesunde gedacht (z. B. bei langen Flügen oder stehenden Berufen), um müden Beinen vorzubeugen. Sie haben einen leichten, nicht genau definierten Druck.
- Medizinische Kompressionsstrümpfe: Werden vom Arzt verschrieben und im Sanitätshaus genau angepasst. Sie haben einen exakt definierten Druckverlauf und sind ein echtes Therapiemittel bei Venenleiden, Thrombosegefahr oder Lymphödemen.
Fazit: Die Strümpfe fördern die Durchblutung nicht, indem sie die Arterien (die das Blut in die Beine bringen) beeinflussen, sondern indem sie den Rückfluss des Blutes zum Herzen (venöser Rückstrom) massiv beschleunigen und effizienter machen.