Warum wird die Bioverfügbarkeit von künstlich zugesetzten Vitaminen in Margarine kritisch hinterfragt?

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Die Bioverfügbarkeit von künstlich zugesetzten Vitaminen in Margarine (meist Vitamin A, D und E) wird von Ernährungswissenschaftlern und Medizinern aus verschiedenen Gründen kritisch hinterfragt. Obwohl die Vitamine chemisch oft identisch mit ihren natürlichen Gegenstücken sind, gibt es physiologische und strukturelle Unterschiede in der Aufnahme und Verwertung.

Hier sind die Hauptgründe für die Skepsis:

1. Fehlende Begleitstoffe (Matrix-Effekt)

In natürlichen Lebensmitteln kommen Vitamine nie isoliert vor. Sie sind eingebettet in eine komplexe Struktur aus anderen Nährstoffen, Enzymen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen.

  • Synergie: Diese Begleitstoffe wirken oft als „Türöffner“ oder Co-Faktoren, die die Aufnahme im Darm verbessern.
  • Margarine als Industrieprodukt: Margarine ist eine hochverarbeitete Emulsion. Den künstlich zugesetzten, isolierten Vitaminen fehlen diese natürlichen Partner, was dazu führen kann, dass der Körper sie weniger effizient erkennt oder transportiert.

2. Unterschiedliche chemische Isomere

Viele Vitamine existieren in verschiedenen räumlichen Strukturen (Isomeren).

  • Natürlich: Pflanzen und Tiere stellen meist nur eine ganz bestimmte Form her, die perfekt in die Rezeptoren des menschlichen Körpers passt (Schlüssel-Schloss-Prinzip).
  • Synthetisch: Bei der chemischen Herstellung im Labor entstehen oft Gemische verschiedener Isomere. Einige davon sind biologisch weniger aktiv oder sogar völlig wirkungslos, besetzen aber dennoch die Transportwege im Körper und können so die Aufnahme der wirksamen Formen blockieren.
  • Beispiel Vitamin E: Natürliches Vitamin E (d-alpha-Tocopherol) hat eine deutlich höhere biologische Aktivität als das oft in günstigen Produkten verwendete synthetische dl-alpha-Tocopherol.

3. Die Gefahr der Überdosierung (Hypervitaminose)

Margarine wird in Deutschland gesetzlich mit Vitamin A und D angereichert (früher war dies teilweise vorgeschrieben, heute ist es meist freiwillig, aber marktüblich). Da diese Vitamine fettlöslich sind, werden sie im Körper (vor allem in der Leber) gespeichert.

  • Im Gegensatz zu wasserlöslichen Vitaminen (wie Vitamin C), die bei Überschuss einfach ausgeschieden werden, können sich A und D anreichern.
  • Kritiker warnen, dass durch die Kombination von angereicherten Lebensmitteln (Margarine, Säfte, Müsli) und Nahrungsergänzungsmitteln toxische Werte erreicht werden können, die die Organe belasten.

4. Oxidationsanfälligkeit und Stabilität

Zusatzstoffe in Margarine sind Licht, Sauerstoff und Hitze (beim Braten oder Backen) ausgesetzt.

  • Synthetische Vitamine sind oft instabiler als solche, die in einer natürlichen Zellstruktur geschützt sind.
  • Beim Abbau dieser Vitamine können Abbauprodukte entstehen, deren Langzeitwirkung auf den Körper nicht vollständig geklärt ist.

5. Das "Health-Halo"-Problem (Marketing vs. Physiologie)

Kritiker werfen der Industrie vor, Margarine durch die Vitaminisierung ein gesundes Image („Health Halo“) zu verleihen, um von der hohen Verarbeitung und dem Gehalt an gesättigten Fettsäuren oder Transfetten (bei billigen Produkten) abzulenken. Die bioverfügbare Menge mag zwar im Labor nachweisbar sein, aber die Frage bleibt, ob der Körper den gleichen Nutzen daraus zieht wie aus einem Stück Karotte (Beta-Carotin als Vorstufe von Vit. A) oder fettem Fisch (natürliches Vit. D).

Fazit

Die Skepsis richtet sich weniger gegen das Vitamin an sich, sondern gegen die isolierte Form und das unnatürliche Trägermedium. Die Wissenschaft ist sich weitgehend einig, dass der menschliche Körper darauf optimiert ist, Nährstoffe im Verbund eines ganzen Lebensmittels aufzunehmen. Künstlich zugesetzte Vitamine in Margarine werden daher oft als „Notlösung“ zur Nährstoffversorgung der breiten Bevölkerung angesehen, die qualitativ nicht mit einer natürlichen Ernährung gleichzusetzen ist.