Wie unterscheidet sich die Bioverfügbarkeit von künstlich zugesetztem Kalzium in Pflanzendrinks von dem natürlichen Kalzium in Kuhmilch?
Die kurze Antwort lautet: Die Bioverfügbarkeit von Kalzium in angereicherten Pflanzendrinks ist heute nahezu vergleichbar mit der von Kuhmilch, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Es gibt jedoch feine Unterschiede in der chemischen Form und der Aufnahme im Körper.
Hier sind die Details im Vergleich:
1. Die Bioverfügbarkeit (Absorptionsrate)
- Kuhmilch: Der Körper nimmt etwa 30 % bis 32 % des enthaltenen Kalziums auf. Das liegt an der natürlichen Kombination mit anderen Inhaltsstoffen (siehe unten).
- Angereicherte Pflanzendrinks: Studien zeigen, dass die Absorptionsrate bei gängigen Zusätzen (wie Kalziumkarbonat) ebenfalls bei etwa 21 % bis 31 % liegt. Sojaprodukte schneiden hier oft am besten ab, da sie dem Nährstoffprofil von Kuhmilch am nächsten kommen.
2. Die chemische Form des Kalziums
- In der Kuhmilch: Kalzium liegt hier hauptsächlich an das Milcheiweiß Kasein gebunden oder als Kalziumphosphat vor.
- In Pflanzendrinks: Hier werden meist zwei Quellen genutzt:
- Kalziumkarbonat: Es ist preiswert und wird vom Körper ähnlich gut aufgenommen wie das Kalzium aus Milch.
- Tricalziumphosphat: Es wird etwas weniger effizient absorbiert als Karbonat, wird aber oft aus geschmacklichen Gründen verwendet.
- Lithothamnium Calcareum (Rotalge): Diese Alge wird oft in Bio-Produkten zur Kalziumanreicherung genutzt. Das Kalzium liegt hier in einer natürlichen Struktur vor und hat eine sehr hohe Bioverfügbarkeit, die der von Milch fast ebenbürtig ist.
3. Fördernde und hemmende Faktoren
Der größte Unterschied liegt in den Begleitstoffen, die die Aufnahme beeinflussen:
- Vorteile der Kuhmilch:
- Laktose (Milchzucker): Fördert die Kalziumaufnahme im Darm.
- Kasein-Phosphopeptide: Diese entstehen bei der Verdauung und halten das Kalzium löslich, was die Aufnahme erleichtert.
- Herausforderungen bei Pflanzendrinks:
- Phytinsäure & Oxalate: Viele Pflanzen (besonders Getreide wie Hafer oder Hülsenfrüchte wie Soja) enthalten diese Stoffe. Sie können Kalzium binden und dessen Aufnahme hemmen. Moderne Verarbeitungsverfahren reduzieren den Gehalt dieser Stoffe jedoch stark.
- Sedimentation (Absetzen): Das ist das Hauptproblem in der Praxis. Kalziumsalze in Pflanzendrinks sind oft nicht gelöst, sondern schweben fein verteilt. Mit der Zeit sinken sie auf den Boden der Packung. Wer den Drink nicht schüttelt, nimmt das Kalzium kaum auf.
4. Die Rolle von Vitamin D
Sowohl bei Kuhmilch (in Deutschland selten angereichert, in den USA Standard) als auch bei Pflanzendrinks (oft angereichert) ist Vitamin D entscheidend. Ohne ausreichend Vitamin D im Körper kann Kalzium – egal aus welcher Quelle – nur schlecht in die Knochen eingebaut werden.
Zusammenfassung
| Merkmal | Kuhmilch | Pflanzendrink (angereichert) |
|---|---|---|
| Absorptionsrate | ca. 30–32 % | ca. 25–31 % |
| Hauptquelle | Kasein-Komplex / Phosphate | Karbonat / Alge / Phosphate |
| Förderer | Laktose, Kasein-Peptide | Zugesetztes Vitamin D |
| Hemmstoffe | Kaum vorhanden | Phytinsäure (je nach Sorte) |
| Praktischer Aspekt | Homogen verteilt | Muss geschüttelt werden! |
Fazit: Wenn Sie zu einem Pflanzendrink greifen, der mit Kalziumkarbonat oder der Rotalge angereichert ist und die Packung vor Gebrauch kräftig schütteln, ist die Kalziumversorgung qualitativ fast identisch mit der von Kuhmilch.