Warum sind Hafer- und Mandelmilch im Handel meist deutlich teurer als Kuhmilch?
Es ist auf den ersten Blick paradox: Haferflocken und Wasser sind als Rohstoffe extrem günstig – oft günstiger als die Haltung und Fütterung einer Kuh. Dennoch kostet der Liter Hafer- oder Mandelmilch im Supermarkt oft das Doppelte oder Dreifache von Kuhmilch.
Das hat vor allem fünf Gründe:
1. Die Mehrwertsteuer (in Deutschland)
Dies ist einer der offensichtlichsten Gründe:
- Kuhmilch gilt als Grundnahrungsmittel und wird mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 % besteuert.
- Pflanzendrinks gelten rechtlich als „Getränkerzeugnisse“ (ähnlich wie Limonade) und werden mit dem vollen Satz von 19 % besteuert. Alleine dieser bürokratische Unterschied macht das Produkt für den Endverbraucher sofort 12 % teurer, ohne dass die Hersteller etwas davon haben.
2. EU-Agrarsubventionen
Die Milchindustrie wird seit Jahrzehnten massiv mit Steuergeldern unterstützt.
- Milchbauern erhalten Direktzahlungen pro Fläche und teilweise Förderungen für die Tierhaltung.
- Diese Subventionen sorgen dafür, dass der Preis für Kuhmilch künstlich niedrig gehalten wird. Er spiegelt oft nicht die realen Produktionskosten (inklusive Umweltfolgen) wider.
- Produzenten von Hafer- oder Mandelmilch erhalten diese spezifischen Förderungen in diesem Ausmaß nicht.
3. Skaleneffekte (Economies of Scale)
Die Infrastruktur für Kuhmilch ist gewaltig und hochoptimiert.
- Molkereien verarbeiten gigantische Mengen, die Logistikketten (Kühl-LKWs, Abfüllanlagen) sind seit Jahrzehnten etabliert.
- Pflanzliche Alternativen sind zwar ein Wachstumsmarkt, aber das Volumen ist im Vergleich zur Kuhmilch immer noch geringer. Kleinere Mengen bedeuten höhere Fixkosten pro Packung bei Produktion, Lagerung und Transport.
4. Marketing und Gewinnmarge
Pflanzendrinks werden von den Herstellern oft als Lifestyle- oder Premiumprodukte positioniert.
- Die Zielgruppe (junge Menschen, Städter, Gesundheitsbewusste, Veganer) ist oft bereit, mehr zu zahlen.
- Sowohl die Hersteller (wie Alpro oder Oatly) als auch der Einzelhandel schlagen bei diesen Produkten höhere Margen drauf als bei der klassischen Kuhmilch, die oft als „Lockvogelangebot“ mit minimalem Gewinn verkauft wird.
5. Rohstoffkosten und Verarbeitung
- Mandeln: Mandeln sind an sich ein teurer Rohstoff. Sie benötigen viel Wasser und wachsen nur in bestimmten Regionen (z. B. Kalifornien oder Spanien). Der Anbau und Import ist kostspielig.
- Hafer: Hafer ist zwar billig, aber die Verarbeitung zu „Milch“ ist aufwendiger als man denkt. Um die natürliche Süße ohne Zuckerzusatz zu erhalten, muss die Haferstärke enzymatisch gespalten werden (Fermentation). Diese technologischen Anlagen müssen erst einmal finanziert werden.
Fazit
Der Preisunterschied liegt weniger an den Zutaten, sondern vor allem an der ungleichen Besteuerung, den Subventionen für die Tierwirtschaft und der Tatsache, dass Hafer- und Mandelmilch noch als Spezialprodukte mit höheren Gewinnspannen behandelt werden.
Ein Trend zur Besserung: In den letzten Jahren haben Discounter (Aldi, Lidl, etc.) mit ihren Eigenmarken die Preise für Hafermilch massiv gedrückt (oft auf unter 1 Euro), was zeigt, dass die reinen Produktionskosten eigentlich viel niedriger liegen könnten.