Wie unterscheidet sich die Bioverfügbarkeit von herkömmlicher Kieselerde von modernen Silicium-Präparaten?

Melden

Der entscheidende Unterschied zwischen herkömmlicher Kieselerde und modernen Silicium-Präparaten liegt in der chemischen Struktur, der Wasserlöslichkeit und der daraus resultierenden Resorptionsrate im Darm.

Kurz gefasst: Während herkömmliche Kieselerde vom Körper kaum aufgenommen werden kann, sind moderne Präparate darauf optimiert, direkt ins Blut zu gelangen.

Hier ist der detaillierte Vergleich:

1. Herkömmliche Kieselerde (Siliciumdioxid)

Kieselerde besteht meist aus fossilen Kieselalgen (Diatomeenerde) oder reinem Quarzsand. Chemisch gesehen handelt es sich um Siliciumdioxid ($SiO_2$).

  • Löslichkeit: Siliciumdioxid ist in Wasser nahezu unlöslich. Es handelt sich um eine kristalline oder amorphe Festsubstanz.
  • Aufnahmeprozess: Damit der Körper Silicium aufnehmen kann, muss es in Form von monomerer Orthokieselsäure vorliegen. Der Magen muss die feste Kieselerde also erst unter hohem Aufwand chemisch "knacken" und umwandeln.
  • Bioverfügbarkeit: Sehr gering. Schätzungen gehen davon aus, dass lediglich ca. 1 % bis 3 % des enthaltenen Siliciums tatsächlich im Blut ankommen. Der Großteil wird ungenutzt wieder ausgeschieden.
  • Nachteil: Oft sind hohe Dosen nötig, die den Magen-Darm-Trakt belasten können, ohne dass ein nennenswerter Effekt erzielt wird.

2. Moderne Silicium-Präparate

Moderne Präparate setzen auf Formen, die entweder bereits gelöst sind oder eine Struktur aufweisen, die der Körper sofort erkennen und aufnehmen kann.

A. Kolloidale Kieselsäure (Silicium-Gel)

Hier liegen die Silicium-Partikel fein verteilt in Wasser vor.

  • Vorteil: Durch die winzige Partikelgröße ist die Oberfläche stark vergrößert.
  • Bioverfügbarkeit: Höher als bei Pulver, aber immer noch limitiert, da die Partikel im Magen dazu neigen, zu größeren Einheiten zu verklumpen (Polymerisation).

B. Stabilisierte Orthokieselsäure (OSA / ch-OSA)

Dies gilt aktuell als der Goldstandard. Orthokieselsäure ist die Form, die natürlicherweise in Trinkwasser oder Bier vorkommt und die der Körper direkt über die Darmwand aufnimmt.

  • Problem: Reine Orthokieselsäure ist sehr instabil und möchte sofort wieder zu unlöslichem Siliciumdioxid verklumpen.
  • Lösung: In modernen Präparaten wird sie stabilisiert (z. B. durch Cholin als ch-OSA).
  • Bioverfügbarkeit: Sehr hoch. Studien zeigen Resorptionsraten von ca. 30 % bis über 50 %.

C. Organisches Silicium (MMST - Monomethylsilantriol)

MMST ist ein Molekül, bei dem Silicium an eine Methylgruppe gebunden ist.

  • Besonderheit: Es ist sowohl wasser- als auch fettlöslich (amphiphil). Dadurch kann es Zellmembranen besonders leicht durchdringen.
  • Bioverfügbarkeit: Gilt als eine der am besten verfügbaren Formen (bis zu 60 % und mehr).

Der Vergleich auf einen Blick

Merkmal Herkömmliche Kieselerde Moderne Präparate (z.B. ch-OSA / MMST)
Chemische Form Siliciumdioxid (fest) Orthokieselsäure (gelöst/stabilisiert)
Wasserlöslichkeit Nahezu null Hoch
Aufnahmemechanismus Muss mühsam umgewandelt werden Direkte Aufnahme im Dünndarm
Bioverfügbarkeit Sehr niedrig (~1-3%) Hoch bis sehr hoch (30-60%)
Effektivität Oft fragwürdig / langwierig Schnellerer Anstieg der Siliciumspiegel

Fazit

Wer Silicium für den Aufbau von Bindegewebe, Haaren, Nägeln oder Knochen einnehmen möchte, sollte zu modernen, flüssigen oder stabilisierten Formen (Kieselsäure-Gel, ch-OSA oder MMST) greifen.

Herkömmliche Kieselerde-Tabletten oder -Pulver sind zwar meist deutlich günstiger, haben aber aufgrund der schlechten Löslichkeit einen sehr geringen therapeutischen Nutzen. Man müsste enorme Mengen konsumieren, um die gleiche Menge Silicium in die Zellen zu bringen wie mit einer kleinen Dosis eines modernen Präparats.

0