Wie funktioniert die Messung mit einem digitalen Blutdruckmessgerät?
Die Messung mit einem digitalen Blutdruckmessgerät basiert fast immer auf der sogenannten oszillometrischen Methode. Anders als beim Arzt, der meist mit einem Stethoskop „hinhört“ (auskultatorische Methode), misst das digitale Gerät Schwingungen.
Hier ist der Prozess Schritt für Schritt erklärt:
1. Das Aufpumpen (Verschluss der Arterie)
Sobald Sie den Startknopf drücken, pumpt die elektrische Pumpe Luft in die Manschette.
- Die Manschette wird so fest aufgepumpt, dass sie die Arterie im Arm (meist die Oberarmarterie) komplett zusammendrückt.
- In diesem Moment fließt kurzzeitig kein Blut mehr durch den Arm.
2. Das kontrollierte Ablassen (Druckabfall)
Das Gerät öffnet ein Ventil und lässt die Luft langsam und gleichmäßig wieder ab.
- Sobald der Druck der Manschette leicht unter den maximalen Druck der Arterie fällt, beginnt das Blut wieder stoßweise durch die verengte Stelle zu fließen.
3. Messung der Oszillationen (Schwingungen)
Dies ist der entscheidende Teil für die digitale Technik:
- Wenn das Blut durch die noch halb zusammengedrückte Arterie presst, entstehen Wirbel und die Gefäßwand gerät in Schwingung.
- Diese Schwingungen (Oszillationen) übertragen sich auf das Luftpolster in der Manschette.
- Ein hochempfindlicher Drucksensor im Inneren des Geräts registriert diese feinen Druckschwankungen.
4. Die Berechnung (Algorithmus)
Das Gerät „hört“ nicht wie ein Arzt, sondern es analysiert die Stärke der Schwingungen:
- Systolischer Wert (oberer Wert): Das Gerät erkennt den Punkt, an dem die Schwingungen der Arterienwand deutlich zuzunehmen beginnen.
- Mittlerer arterieller Druck: Das Gerät misst das Maximum der Schwingungen (hier ist die Amplitude am größten).
- Diastolischer Wert (unterer Wert): Wenn der Manschettendruck so weit sinkt, dass die Arterie auch in der Entspannungsphase des Herzens offen bleibt, nehmen die Schwingungen abrupt ab oder stabilisieren sich.
Ein eingebauter Mikroprozessor nutzt einen mathematischen Algorithmus, um aus diesen gemessenen Schwingungskurven die genauen Werte für Systole und Diastole zu berechnen.
5. Anzeige der Ergebnisse
Am Ende wird die restliche Luft schnell abgelassen und auf dem Display erscheinen:
- Systole: Der Druck während des Herzschlags.
- Diastole: der Druck in der Ruhephase des Herzens.
- Puls: Die Anzahl der Herzschläge pro Minute.
Warum sind digitale Messgeräte manchmal ungenau?
Da das Gerät Schwingungen misst, können äußere Faktoren das Ergebnis leicht verfälschen:
- Bewegung: Wenn Sie den Arm bewegen oder die Muskeln anspannen, entstehen zusätzliche Schwingungen, die der Sensor mit Blutfluss verwechselt.
- Sprechen: Auch Reden erzeugt Vibrationen und verändert kurzzeitig den Druck.
- Herzrhythmusstörungen: Bei unregelmäßigem Puls (z. B. Vorhofflimmern) sind die Schwingungen so ungleichmäßig, dass der Algorithmus sie oft nicht korrekt berechnen kann. Viele moderne Geräte haben dafür jedoch spezielle Erkennungs-Sensoren.
Wichtiger Tipp für die Anwendung:
Damit die Messung korrekt ist, muss sich die Manschette (egal ob Oberarm oder Handgelenk) immer auf Herzhöhe befinden. Wenn das Gerät zu tief gehalten wird, ist der gemessene Wert physikalisch bedingt zu hoch; wird es zu hoch gehalten, ist der Wert zu niedrig.