Woran erkennt man ein qualitativ hochwertiges und präzises Blutdruckmessgerät?
Ein zuverlässiges Blutdruckmessgerät ist entscheidend, um medizinisch verwertbare Daten zu erhalten. Da Fehlmessungen zu unnötiger Beunruhigung oder – schlimmer noch – zu einer falschen Einschätzung der Gesundheit führen können, sollten Sie auf bestimmte Qualitätsmerkmale achten.
Hier sind die wichtigsten Kriterien, an denen Sie ein hochwertiges und präzises Gerät erkennen:
1. Das wichtigste Siegel: Die klinische Validierung
Ein hochwertiges Gerät ist nach internationalen Standards klinisch geprüft. Verlassen Sie sich nicht nur auf die CE-Kennzeichnung (die lediglich besagt, dass das Gerät in Europa verkauft werden darf).
- Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga (DHL®): Dies ist das wichtigste Qualitätsmerkmal in Deutschland. Geräte mit diesem Siegel wurden in unabhängigen Prüfzentren nach strengen Protokollen auf ihre Messgenauigkeit getestet.
- Internationale Protokolle: Achten Sie auf Erwähnungen wie ESH (European Society of Hypertension), BHS (British Hypertension Society) oder die Norm ISO 81060-2.
2. Messort: Oberarm vs. Handgelenk
- Oberarmmessgeräte: Sie gelten generell als präziser und weniger fehleranfällig. Die Manschette befindet sich automatisch auf Herzhöhe, was für ein korrektes Ergebnis essenziell ist.
- Handgelenkmessgeräte: Sie sind komfortabel, aber anfällig für Haltungsfehler. Qualitativ hochwertige Handgelenkgeräte verfügen über einen Positionierungssensor, der die Messung erst startet, wenn das Gerät exakt auf Herzhöhe gehalten wird.
3. Die Manschette – Passform ist alles
Ein präzises Gerät nützt nichts, wenn die Manschette nicht passt oder falsch angelegt wird.
- Manschettensitz-Kontrolle: Hochwertige Geräte zeigen im Display an (meist durch ein OK-Symbol), ob die Manschette korrekt und fest genug gewickelt wurde.
- Größenauswahl: Ein Qualitätshersteller bietet verschiedene Manschettengrößen an oder liefert eine „Universalmanschette“ (z. B. 22–42 cm) mit, die für fast alle Armumfänge passt. Eine zu kleine Manschette führt zu künstlich erhöhten Werten.
4. Bewegungssensor (Arithekter)
Gute Geräte erkennen, wenn Sie sich während der Messung bewegen oder sprechen (was den Blutdruck verfälscht). Sie geben dann eine Warnmeldung aus und fordern eine Wiederholung der Messung an.
5. Erkennung von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie-Erkennung)
Ein präzises Gerät erkennt Unregelmäßigkeiten im Herzschlag während der Blutdruckmessung.
- IHB-Indikator: Erkennt unregelmäßige Herzschläge.
- AFib-Technologie: Besonders hochwertige Geräte können sogar Hinweise auf Vorhofflimmern geben, was ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle ist.
6. Mittelwertberechnung (MAM-Technologie)
Der Blutdruck schwankt ständig. Qualitativ hochwertige Geräte bieten eine Funktion, die automatisch drei Messungen hintereinander durchführt und daraus den gewichteten Mittelwert berechnet (oft als „3check“ oder „MAM-Technologie“ bezeichnet). Dies ist deutlich genauer als eine Einzelmessung.
7. Display und Bedienung
- Lesbarkeit: Große, kontrastreiche Ziffern und eine Hintergrundbeleuchtung.
- WHO-Indikator: Eine farbige Skala (Ampelsystem) am Rand, die sofort zeigt, ob der Wert im normalen (grün) oder hypertonen (rot) Bereich liegt.
- Speicherplätze: Die Möglichkeit, Profile für mindestens zwei Nutzer mit Datum und Uhrzeit anzulegen.
8. Bekannte Hersteller
Marken, die seit Jahrzehnten im medizinischen Bereich tätig sind und deren Geräte regelmäßig bei Stiftung Warentest gut abschneiden, sind meist eine sichere Wahl. Dazu gehören:
- Omron
- Beurer
- Visomat (UEBE)
- Aponorm
- Withings (für smarte Integration)
Zusammenfassung: Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Wenn Sie vor dem Regal stehen oder online suchen, prüfen Sie die Packung auf diese drei Dinge:
- Trägt es das Siegel der Deutschen Hochdruckliga? (Das ist das stärkste Argument für Präzision).
- Ist es ein Oberarmgerät? (Empfohlen für die meisten Anwender).
- Hat es eine Manschettensitz-Kontrolle und Arrhythmie-Erkennung?
Tipp für die Praxis: Nehmen Sie Ihr neues Gerät beim nächsten Termin mit zu Ihrem Hausarzt. Er kann eine Vergleichsmessung mit seinem professionellen (meist manuellen) Gerät durchführen, um die Genauigkeit Ihres Geräts zu verifizieren.