Welche zusätzlichen Schadstoffe können durch lange Lagerzeiten in Mineralwasser entstehen?

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Bei Mineralwasser ist nicht das Wasser selbst das Problem, das „verdirbt“ (da es mineralisiert und meist kohlensäurehaltig ist), sondern die Wechselwirkung mit der Verpackung und die Lagerbedingungen. Je länger das Wasser steht, desto mehr Stoffe können aus der Flasche in die Flüssigkeit übergehen.

Hier sind die wichtigsten potenziellen Schadstoffe und Veränderungen, die durch lange Lagerzeiten entstehen können:

1. Stoffe aus Kunststoffflaschen (PET)

PET (Polyethylenterephthalat) ist der Standard für Einweg- und viele Mehrwegflaschen. Über die Zeit können chemische Verbindungen migrieren:

  • Antimon: Dies ist wohl der bekannteste Stoff. Antimon(III)-oxid wird als Katalysator bei der PET-Herstellung verwendet. Studien haben gezeigt, dass die Antimon-Konzentration im Wasser steigt, je länger es gelagert wird – besonders bei hohen Temperaturen (Sonneneinstrahlung, warmes Lager).
  • Acetaldehyd: Dieser Stoff entsteht beim Herstellungsprozess der PET-Flaschen. Er ist zwar in geringen Mengen nicht gesundheitsschädlich, verleiht dem Wasser aber einen unangenehmen, süßlich-chemischen oder „plastikartigen“ Geschmack.
  • Hormonähnliche Substanzen (Endokrine Disruptoren): Es gibt Diskussionen und einzelne Studien, die darauf hindeuten, dass Stoffe aus PET-Flaschen eine leichte östrogene Wirkung im Wasser entfalten können. Die genauen Substanzen sind oft schwer zu isolieren, aber die Aktivität nimmt mit der Lagerdauer zu.

2. Mikroplastik

Durch das Öffnen und Schließen des Deckels sowie durch Materialermüdung der Flaschenwand können winzige Kunststoffpartikel ins Wasser gelangen. Je länger eine Flasche mechanischen Belastungen oder Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, desto höher kann die Konzentration an Mikroplastik sein.

3. Stoffe aus Glasflaschen-Verschlüssen

Glas gilt zwar als inert (es gibt keine Stoffe ab), aber die Deckel können problematisch sein:

  • Weichmacher (Phthalate): In den Dichtungen von Kronkorken oder Schraubverschlüssen können Weichmacher enthalten sein, die über lange Zeiträume in das Wasser übergehen können.
  • ESBO (Epoxidiertes Sojabohnenöl): Wird manchmal in Deckeldichtungen verwendet und kann migrieren.

4. Mikrobiologische Belastung (Keime)

Mineralwasser ist nicht absolut steril. Es enthält eine natürliche Quellflora.

  • Vermehrung von Bakterien: Wenn die Flasche einmal geöffnet wurde, gelangen Keime aus der Luft oder vom Mund in die Flasche. Bei langer Lagerung (auch ungeöffnet, wenn geringe Mengen Keime vorhanden sind) können sich diese vermehren. Für gesunde Menschen ist das meist harmlos, für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann es jedoch zum Problem werden.
  • Lichteinwirkung: Wenn Wasser in transparenten Flaschen lange im Licht steht, kann es (bei Vorhandensein minimalster Nährstoffe) zur Bildung von Algen kommen.

5. Einfluss von Kohlensäure

Kohlensäure wirkt konservierend und senkt den pH-Wert, was das Bakterienwachstum hemmt. Bei langer Lagerung in Kunststoffflaschen entweicht jedoch CO2 durch das Material (PET ist gasdurchlässig). Wenn die Kohlensäure schwindet, steigt der pH-Wert, und das Wasser wird anfälliger für Verkeimung.

Was beeinflusst die Schadstoffbildung?

  1. Temperatur: Wärme beschleunigt die chemischen Migrationsprozesse (besonders bei Antimon).
  2. Sonneneinstrahlung: UV-Licht kann das Kunststoffmaterial zersetzen und chemische Reaktionen fördern.
  3. Lagerdauer: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bei Wasser bezieht sich primär auf die Dichtigkeit der Flasche und den Geschmack, nicht auf das Verderben des Wassers.

Empfehlungen für die Praxis:

  • Kühl und dunkel lagern: Das ist der wichtigste Faktor, um die Migration von Stoffen zu minimieren.
  • Glasflaschen bevorzugen: Wenn Sie Wasser sehr lange lagern wollen (z. B. für den Notvorrat), sind Glasflaschen die sicherere Wahl, da sie gasdicht sind und keine Stoffe aus dem Material selbst abgeben.
  • Rotation: Auch bei Wasser sollte man das Prinzip „First-in-First-out“ anwenden und Vorräte innerhalb eines Jahres verbrauchen.
  • Nicht aus der Flasche trinken: Wenn die Flasche wieder verschlossen und gelagert werden soll, nutzen Sie ein Glas, um keine Speichelbakterien einzubringen.