Wie wird stilles Mineralwasser aus der Quelle gewonnen?
Die Gewinnung von stillem Mineralwasser ist ein streng regulierter Prozess, der sicherstellen soll, dass das Wasser in seiner ursprünglichen Reinheit beim Verbraucher ankommt. In Deutschland ist dies durch die Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTV) genau festgelegt.
Hier ist der Prozess Schritt für Schritt erklärt:
1. Die Entstehung im Boden
Bevor Wasser gewonnen werden kann, muss es entstehen. Regenwasser versickert durch verschiedene Erd- und Gesteinsschichten. Auf diesem Weg, der Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte dauern kann, passieren zwei Dinge:
- Filtration: Das Gestein wirkt wie ein natürlicher Filter und reinigt das Wasser von Verunreinigungen.
- Mineralisierung: Das Wasser löst Mineralstoffe und Spurenelemente (wie Calcium, Magnesium oder Natrium) aus dem Gestein.
2. Die Suche und Erschließung (Hydrogeologie)
Geologen suchen nach unterirdischen Wasservorkommen, die durch wasserundurchlässige Schichten (z. B. Ton) vor Verunreinigungen von der Oberfläche geschützt sind. Ist ein Vorkommen gefunden, wird eine Tiefenbohrung durchgeführt.
3. Die Förderung
Das Wasser wird aus der Tiefe (oft mehrere hundert Meter) an die Oberfläche geholt:
- Artesische Quellen: Steht das Wasser unter natürlichem Druck, fließt es von selbst nach oben.
- Pumpen: In den meisten Fällen werden spezielle Unterwasserpumpen in den Brunnenschacht herabgelassen, die das Wasser schonend nach oben fördern.
- Materialien: Die Förderrohre bestehen meist aus hochwertigem Edelstahl oder speziellen Kunststoffen, um die Reinheit nicht zu beeinflussen.
4. Die Behandlung (Was erlaubt ist)
Mineralwasser gilt als Naturprodukt und darf kaum verändert werden. Es darf im Gegensatz zu Leitungswasser nicht desinfiziert (z. B. chloriert) werden. Erlaubt sind nur sehr wenige Verfahren:
- Entfernung von Eisen und Schwefel: Diese Stoffe werden meist aus optischen oder geschmacklichen Gründen entzogen (Eisen würde das Wasser sonst trüben/braun färben). Dies geschieht meist durch Belüftung und Filtration über Sand.
- Entzug von Arsen: Falls das Gestein natürlicherweise zu viel Arsen abgibt, darf dieses herausgefiltert werden.
5. Warum ist es „still“?
Hier gibt es zwei Szenarien:
- Natürlicherweise still: Das Wasser enthält von der Quelle her keine oder nur sehr wenig Kohlensäure.
- Entgasung: Wenn das Quellwasser natürliche Kohlensäure enthält, diese aber für „stilles Wasser“ nicht erwünscht ist, wird sie dem Wasser entzogen (meist durch Vakuumentgasung).
6. Die Abfüllung
Das Wasser wird über Rohrleitungen direkt von der Quelle zur Abfüllanlage geleitet.
- Direktabfüllung: Ein wichtiges Merkmal von Mineralwasser ist, dass es direkt am Quellort abgefüllt werden muss, um Verunreinigungen durch lange Transportwege in Tanks zu vermeiden.
- Hygiene: Die Flaschen (Glas oder PET) werden vor der Befüllung gründlich gereinigt und unter Reinraumbedingungen verschlossen.
7. Kontrolle
Stilles Mineralwasser wird laufend kontrolliert – sowohl durch die Labore der Brunnenbetriebe als auch durch staatliche Überwachungsbehörden. Es muss eine gleichbleibende Zusammensetzung an Mineralstoffen aufweisen, was regelmäßig überprüft wird.
Zusammenfassend: Stilles Mineralwasser wird durch tiefe Bohrungen aus geschützten unterirdischen Depots gewonnen, minimal gefiltert (nur Eisen/Schwefel) und direkt am Entstehungsort ohne chemische Zusätze in Flaschen gefüllt.