Was ist das Besondere an der westfälischen Spezialität „Pumpernickel“?
Der westfälische Pumpernickel ist weltweit einzigartig und unterscheidet sich grundlegend von fast allen anderen Brotsorten. Das Besondere lässt sich in vier Hauptbereiche unterteilen: die Zutaten, das Herstellungsverfahren, den Geschmack und die Haltbarkeit.
Hier sind die Details:
1. Das Herstellungsverfahren (Backen ohne Kruste)
Das wohl außergewöhnlichste am Pumpernickel ist, dass er eigentlich gar nicht „gebacken“, sondern eher gedämpft wird.
- Dauer: Während normales Brot ein bis zwei Stunden im Ofen backt, benötigt Pumpernickel mindestens 16 bis 24 Stunden.
- Temperatur: Er wird in geschlossenen Kästen bei relativ niedrigen Temperaturen (um die 100 bis 120 Grad) in Wasserdampf gegart.
- Keine Kruste: Durch dieses Verfahren bildet der Pumpernickel keine typische harte Brotkruste aus.
2. Die Zutaten (Das Reinheitsgebot)
Ein echter westfälischer Pumpernickel nach traditioneller Art ist ein Musterbeispiel an Purismus. Er besteht laut Leitsätzen nur aus:
- Roggenschrot (vollkorn)
- Wasser
- (Salz und eventuell Hefe oder Sauerteig als Starter)
Zusätze wie Rübensirup oder Malzextrakt werden bei industrieller Ware oft für die dunkle Farbe hinzugefügt, gehören aber eigentlich nicht in das Originalrezept. Die dunkle Farbe entsteht beim echten Pumpernickel allein durch den langen Garprozess.
3. Geschmack und Farbe (Die Maillard-Reaktion)
Obwohl kein Zucker zugesetzt wird, schmeckt Pumpernickel leicht süßlich und malzig. Das liegt an der extrem langen Backzeit:
- Die im Roggen enthaltene Stärke wird durch die Hitze über viele Stunden in Zucker umgewandelt (Karamellisierung).
- Die Maillard-Reaktion sorgt für die tiefbraune, fast schwarze Farbe und das charakteristische Aroma.
4. Haltbarkeit und Bekömmlichkeit
Pumpernickel ist extrem kompakt und saftig.
- Lagerung: In Blechdosen verpackt hält er sich mehrere Monate, teilweise sogar Jahre, ohne an Qualität zu verlieren. Das machte ihn früher zu einem idealen Proviant für Reisende und Soldaten.
- Gesundheit: Er ist sehr ballaststoffreich und hat einen niedrigen glykämischen Index, was bedeutet, dass er lange sättigt und den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lässt.
5. Der Name und die Legenden
Um den Namen „Pumpernickel“ ranken sich viele Mythen:
- Napoleon-Legende: Eine beliebte (aber falsche) Geschichte besagt, Napoleon Bonaparte habe das Brot verachtet und gesagt, es sei nur „bon pour Nicol“ (gut für sein Pferd namens Nicol). Daraus soll „Pumpernickel“ entstanden sein.
- Etymologie: Sprachwissenschaftler vermuten eher, dass das Wort aus dem Westfälischen stammt. „Pumpern“ stand für Blähungen (aufgrund der Verdauungsarbeit des groben Korns) und „Nickel“ war eine Bezeichnung für einen Kobold oder einen groben Klotz.
Schutz der Bezeichnung
Seit 2014 ist „Westfälischer Pumpernickel“ eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.). Das bedeutet, dass Brot unter diesem Namen tatsächlich in Westfalen hergestellt worden sein muss und bestimmte Qualitätskriterien erfüllen muss.
Fazit: Pumpernickel ist kein gewöhnliches Brot, sondern eher ein „langzeitgegartes Vollkornkonzentrat“, das durch Zeit statt durch hohe Hitze seine Vollendung findet.