Warum wird ein Metallbohrer beim Bohren extrem heiß oder beginnt zu glühen?

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Das extrem starke Erhitzen oder Glühen eines Metallbohrers ist ein physikalischer Vorgang, bei dem Bewegungsenergie in Wärmeenergie umgewandelt wird. Wenn ein Bohrer glüht, ist das meist ein Zeichen für einen Anwendungsfehler oder verschlissenes Werkzeug.

Hier sind die Hauptgründe, warum das passiert:

1. Reibung (Der Hauptfaktor)

Beim Bohren reibt der Bohrer nicht nur mit der Spitze (der Querschneide), sondern auch mit den Seitenflächen (den Fasen) am Metall. Wenn der Bohrer nicht schneidet, sondern nur reibt, entsteht durch die hohe Geschwindigkeit enorme Reibungswärme.

2. Zu hohe Drehzahl (Schnittgeschwindigkeit)

Dies ist der häufigste Fehler. Jeder Bohrer und jedes Material hat eine optimale Schnittgeschwindigkeit.

  • Wird der Bohrer zu schnell gedreht, entsteht pro Sekunde mehr Reibungswärme, als das Material oder die Luft abführen kann.
  • Die Hitze staut sich an der Spitze des Bohrers an, bis er zu glühen beginnt.
  • Faustregel: Je härter das Metall und je größer der Bohrer-Durchmesser, desto langsamer muss die Drehzahl sein.

3. Stumpfer Bohrer

Ein scharfer Bohrer „schält“ Späne aus dem Material. Ein stumpfer Bohrer hingegen hat keine scharfe Kante mehr, die in das Metall eindringt. Er drückt nur noch gegen das Material und erzeugt durch diesen extremen Druck und die Rotation ausschließlich Reibungswärme statt Vortrieb.

4. Fehlende Kühlung und Schmierung

Beim Metallbohren ist Schneidöl oder Bohrmilch essenziell. Es erfüllt zwei Aufgaben:

  • Kühlung: Es führt die entstehende Wärme ab.
  • Schmierung: Es verringert die Reibung zwischen Bohrer und Werkstück. Ohne Kühlmittel steigt die Temperatur innerhalb weniger Sekunden in kritische Bereiche.

5. Falscher Anpressdruck

  • Zu wenig Druck: Der Bohrer „kratzt“ nur an der Oberfläche, ohne sich ins Material zu beißen. Dadurch entsteht Reibung ohne Bohrfortschritt.
  • Zu viel Druck: Die Reibung erhöht sich massiv, und die Späne können nicht schnell genug abtransportiert werden, was zu einem Wärmestau führt.

6. Fehlende Spanabfuhr

Wenn man tiefe Löcher bohrt, verstopfen die Wendelungen (die Spiralen) des Bohrers mit Spänen. Wenn die Späne feststecken, reiben sie zwischen Bohrer und Bohrlochwand, was die Hitze extrem erhöht. Man muss den Bohrer regelmäßig „lüften“ (kurz herausziehen), um die Späne zu entfernen.


Was passiert mit dem Bohrer, wenn er glüht?

Wenn ein HSS-Bohrer (High Speed Steel) glüht oder sich blau verfärbt, verliert er seine Härte. Dieser Vorgang heißt „Anlassen“.

  • Der Stahl wird weich.
  • Die Schneidkanten werden sofort rund und unbrauchbar.
  • Ein einmal ausgeglühter Bohrer muss meist weit zurückgeschliffen werden, um wieder eine gehärtete Struktur zu erreichen, oder er ist komplett reif für den Schrott.

Tipps für die Praxis:

  1. Drehzahl senken: Bei Edelstahl oder dickem Baustahl lieber langsam und kraftvoll bohren.
  2. Kühlen: Nutzen Sie Schneidöl, WD-40 oder zur Not auch Wasser.
  3. Scharfes Werkzeug: Prüfen Sie, ob der Bohrer noch eine scharfe Schneide hat.
  4. Körnen: Markieren Sie die Stelle mit einem Körner, damit der Bohrer sofort greift und nicht erst auf der Oberfläche reibt.
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