Warum rutscht ein Metallbohrer beim Ansetzen auf einer glatten Oberfläche ständig ab?
Das Abrutschen eines Metallbohrers auf glatten Oberflächen hat physikalische und werkzeugspezifische Gründe. Hier sind die wichtigsten Ursachen einfach erklärt:
1. Die Geometrie der Bohrerspitze (Die Querschneide)
Wenn du dir die Spitze eines herkömmlichen Spiralbohrers genau ansiehst, merkst du, dass sie nicht in einer nadelfeinen Spitze endet. Stattdessen gibt es dort eine kleine, gerade Linie – die sogenannte Querschneide.
- Das Problem: Diese Querschneide schneidet das Material nicht, sondern sie drückt oder schabt es nur weg.
- Die Folge: Da die Querschneide flach auf der glatten Oberfläche aufliegt, hat der Bohrer keinen festen "Greifpunkt". Er schwimmt auf dem Material wie auf einem Schmierfilm.
2. Fehlende Führung (Reibung und Zentrierung)
Auf einer glatten Metalloberfläche gibt es keine Vertiefung, die die Spitze des Bohrers an Ort und Stelle halten könnte.
- Sobald sich der Bohrer dreht, wirken Fliehkräfte und minimale Vibrationen.
- Da der Bohrer noch nicht im Material "eingetaucht" ist, führt jede kleine Abweichung von der senkrechten Achse dazu, dass der Bohrer seitlich wegläuft (das sogenannte „Verlaufen“).
3. Hoher Anpressdruck vs. glatte Fläche
Um mit der Querschneide ins Metall einzudringen, muss man recht fest drücken. Bei einer glatten Oberfläche führt dieser Druck oft dazu, dass man bei der kleinsten Instabilität zur Seite wegkippt, wodurch der Bohrer sofort abrutscht.
Wie verhindert man das Abrutschen?
Es gibt bewährte Techniken, um dieses Problem zu lösen:
- Ankörnen (Wichtigste Methode): Man nimmt einen Körner (ein gehärteter Stahlstift mit Spitze) und einen Hammer, um an der markierten Stelle eine kleine Vertiefung ins Metall zu schlagen. Diese Kuhle dient der Querschneide des Bohrers als Führung. Er kann dann nicht mehr seitlich ausbrechen.
- Vorbohren: Bei großen Löchern bohrt man zuerst mit einem kleinen Bohrer (z. B. 3 mm) vor. Kleine Bohrer haben eine viel schmalere Querschneide und finden leichter Halt.
- Zentrierbohrer verwenden: Dies sind kurze, sehr stabile Bohrer, die sich nicht biegen und speziell dafür gemacht sind, ein exaktes Startloch zu setzen.
- Klebeband: Ein Stück Kreppband oder Panzerband auf der Stelle kann bei weicheren Metallen oder dünnen Blechen helfen, die Reibung im ersten Moment zu erhöhen, ist aber kein Ersatz für das Ankörnen.
- Drehzahl: Beim Ansetzen sollte man die Maschine langsam drehen lassen, bis der Bohrer beginnt, sich "einzufressen".
Zusammenfassend: Der Bohrer rutscht ab, weil seine Spitze (Querschneide) keine Führung hat. Erst durch eine künstliche Vertiefung (Körnerpunkt) bekommt er den nötigen Halt.