Warum haftet neuer Unterbodenschutz schlecht auf einer verschmutzten oder fettigen Oberfläche?
Dass neuer Unterbodenschutz (UBS) auf verschmutzten oder fettigen Oberflächen schlecht haftet, liegt an grundlegenden physikalischen und chemischen Prinzipien. Man kann dies in vier Hauptgründe unterteilen:
1. Fehlende Adhäsion (Haftung) durch die „Trennschicht“
Damit ein Beschichtungsstoff (wie Bitumen, Wachs oder PVC) haften kann, müssen die Moleküle des Schutzmittels in direkten Kontakt mit der Oberfläche (Metall oder Altlack) kommen.
- Schmutz und Staub wirken wie eine Trennschicht. Der Unterbodenschutz klebt zwar an den Staubpartikeln, aber diese Partikel haben keine feste Verbindung zum Fahrzeugrahmen. Das Ergebnis: Der Schutz blättert zusammen mit dem Schmutz einfach ab.
- Man kann es sich wie ein Klebeband vorstellen, das man in den Sand fallen lässt – es klebt danach nicht mehr auf einer glatten Fläche, weil die Klebefläche bereits mit Sand gesättigt ist.
2. Grenzflächenspannung und mangelnde Benetzung
Fett und Öl haben eine sehr niedrige Oberflächenspannung und sind hydrophob (wasserabweisend).
- Die meisten modernen Unterbodenschutzmittel benötigen eine saubere Oberfläche, um diese „benetzen“ zu können. Das bedeutet, das Mittel muss sich gleichmäßig ausbreiten und in die mikroskopisch kleinen Unebenheiten der Oberfläche fließen.
- Auf einer Fettschicht „perlt“ der Schutz ab oder bildet keine stabile chemische/physikalische Verbindung. Die Haftkräfte (Adhäsionskräfte) zwischen dem Fett und dem Unterbodenschutz sind wesentlich schwächer als die zwischen Metall und Unterbodenschutz.
3. Mechanische Verankerung
Auf mikroskopischer Ebene ist Metall nie ganz glatt. Eine gute Beschichtung verankert sich in diesen winzigen Poren und Unebenheiten (mechanische Adhäsion).
- Schmutz, Rostschuppen oder altes Fett füllen diese Poren aus. Der Unterbodenschutz liegt dann nur locker „oben auf“, anstatt sich mit dem Untergrund zu verzahnen. Bei Erschütterungen, Steinschlag oder Temperaturwechseln löst sich die Schicht sofort wieder.
4. Einschluss von Feuchtigkeit und chemische Reaktion
Wenn man über Schmutz oder Fett drüberarbeitet, versiegelt man oft Feuchtigkeit oder reaktive Substanzen (wie Straßensalz) direkt auf dem Metall.
- Fett kann zwar kurzzeitig vor Wasser schützen, aber unter einer neuen Schicht Unterbodenschutz können eingeschlossene Verunreinigungen zu Unterwanderungskorrosion führen.
- Das Lösungsmittel im neuen Unterbodenschutz kann zudem mit altem Fett oder Öl reagieren, wodurch die Schicht klebrig bleibt, nie richtig aushärtet oder Blasen wirft.
Die Folge von schlechter Vorarbeit:
Wenn der Unterbodenschutz nicht perfekt haftet, entstehen Hohlräume. In diese kriecht durch Kapillareffekte Feuchtigkeit (Salzwasser im Winter). Da diese Feuchtigkeit unter der schwarzen Schutzschicht gefangen ist und nicht abtrocknen kann, rostet das Auto im Verborgenen oft schneller, als wenn gar kein Schutz aufgetragen worden wäre.
Fazit: Eine gründliche Reinigung (Dampfstrahler, Entfetter/Silikonentferner) und das Entfernen von losem Rost sind entscheidend, damit die Adhäsionskräfte wirken können und eine dauerhafte Schutzschicht entsteht.