Wie wirkt sich Öl oder Kühlflüssigkeit auf der Oberfläche des Keilriemens aus?
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Öl oder Kühlflüssigkeit auf einem Keilriemen (oder Keilrippenriemen) sind extrem schädlich und führen kurz- bis mittelfristig fast immer zum Ausfall des Riemenantriebs. Die Auswirkungen lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: mechanische Probleme (unmittelbar) und chemische Zersetzung (langfristig).
Hier sind die Details:
1. Mechanische Auswirkungen (Sofortfolgen)
- Verlust der Reibung (Schlupf): Ein Keilriemen funktioniert durch Kraftschluss (Reibung) in den Flanken der Riemenscheibe. Öl und Kühlmittel wirken wie Schmiermittel. Der Riemen beginnt durchzurutschen.
- Geräuschentwicklung: Das typische „Quietschen“ entsteht oft, wenn der Riemen rutscht. Paradoxerweise kann Kühlflüssigkeit nach dem Antrocknen auch ein klebriges, rupfendes Geräusch verursachen.
- Funktionsausfall der Nebenaggregate: Wenn der Riemen rutscht, werden Lichtmaschine (Batterie lädt nicht), Wasserpumpe (Motor überhitzt) oder Servopumpe (Lenkung geht schwer) nicht mehr richtig angetrieben.
- Hitzeentwicklung: Durch das Rutschen entsteht enorme Reibungshitze. Diese Hitze lässt den Gummi „verglasen“ (er wird hart und glatt), was den Grip dauerhaft zerstört.
2. Chemische Auswirkungen (Materialschäden)
Hier gibt es Unterschiede zwischen Öl und Kühlmittel:
- Auswirkung von Öl (Motoröl, Hydrauliköl, Diesel):
- Aufquellen: Die meisten Keilriemen bestehen aus Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (EPDM) oder Polychloropren. Diese Materialien sind oft nicht ölbeständig. Das Öl dringt in die Struktur ein und lässt den Gummi aufquellen.
- Zersetzung: Der Riemen wird weich, schwammig und verliert seine strukturelle Integrität. Er kann sich „auflösen“, die Rippen können ausreißen oder der Riemen reißt komplett durch.
- Auswirkung von Kühlflüssigkeit (Glykol-Wasser-Gemisch):
- Versprödung: Kühlmittel ist zwar weniger aggressiv als Öl, greift aber die Weichmacher im Gummi an. Wenn das Wasser verdunstet, bleibt klebriges Glykol zurück.
- Rissbildung: Langfristig führt der Kontakt mit Kühlmittel dazu, dass der Riemen austrocknet, spröde wird und kleine Risse bekommt (Crazing).
3. Gefahr für andere Bauteile
- Verschmutzung der Riemenscheiben: Die Flüssigkeit verteilt sich in den Rillen der Riemenscheiben. Selbst ein neuer Riemen würde sofort wieder kontaminiert, wenn die Scheiben nicht gründlich gereinigt werden.
- Folgeschäden: Ein reißender Riemen kann bei modernen Motoren unter die Abdeckung des Zahnriemens geraten. Wenn der Zahnriemen dadurch überspringt oder reißt, droht ein motortödlicher Kapitalschaden.
Was sollte man tun?
- Ursache finden: Das Leck (Ventildeckeldichtung, Simmerring, Kühlerschlauch, Wasserpumpe) muss zwingend zuerst repariert werden.
- Riemen ersetzen: Ein einmal mit Öl durchtränkter Riemen kann nicht zuverlässig gereinigt werden. Öl zieht in das Material ein. Der Riemen sollte immer ersetzt werden.
- Reinigen: Alle Riemenscheiben und Spannrollen müssen penibel mit Bremsenreiniger entfettet werden, bevor der neue Riemen aufgelegt wird.
Fazit: Öl ist der „Todfeind“ des Keilriemens. Kühlflüssigkeit ist weniger aggressiv, führt aber durch Schlupf und langfristige Versprödung ebenfalls zum Defekt. In beiden Fällen ist ein Austausch des Riemens die einzig sichere Lösung.