Was sollte man vor dem Bohren in eine Wand unbedingt mit einem Ortungsgerät prüfen?
Bevor man die Bohrmaschine ansetzt, ist der Einsatz eines Ortungsgeräts (auch Leitungssucher genannt) essenziell, um schwere Unfälle oder teure Sachschäden zu vermeiden.
Hier ist eine Checkliste, was man unbedingt prüfen sollte:
1. Stromleitungen (Live Wires)
Das ist der wichtigste Punkt für die persönliche Sicherheit.
- Gefahr: Stromschlag (lebensgefährlich) oder Kurzschluss mit Brandgefahr.
- Hinweis: Stromleitungen verlaufen in modernen Gebäuden meist senkrecht oder waagerecht zu Schaltern und Steckdosen (sogenannte Installationszonen). Verlassen Sie sich aber niemals blind darauf, besonders in Altbauten wurden Kabel oft kreuz und quer verlegt.
2. Wasser- und Heizungsleitungen
Ein angebohrtes Rohr führt zu sofortigen oder – noch schlimmer – schleichenden Wasserschäden.
- Metallrohre: Kupfer- oder Stahlrohre werden von den meisten Geräten sehr zuverlässig gefunden.
- Kunststoffrohre: Moderne Fußbodenheizungen oder Wasserleitungen bestehen oft aus Kunststoff (PEX/Verbundrohr). Diese werden nur von hochwertigen Universal- oder Radar-Ortungsgeräten erkannt. Einfache Metallsuchgeräte finden diese nicht!
3. Gasleitungen
Besonders in älteren Gebäuden oder in der Nähe von Thermen und Gasherden ein kritisches Thema.
- Gefahr: Explosionsgefahr und Erstickungsgefahr.
- Material: Meist aus gelb markiertem Metall (Stahl/Kupfer).
4. Metall-Unterkonstruktionen (Trockenbau)
Wenn Sie in eine Rigipswand bohren, müssen Sie wissen, wo die Metallprofile (CW/UW-Profile) verlaufen.
- Zweck: Entweder man möchte sie treffen, um schweren Gegenständen Halt zu geben, oder man möchte sie meiden, um die Wand nicht unnötig zu beschädigen oder mit der Schraube einen Kurzschluss an einem dahinterliegenden Kabel zu verursachen.
5. Armierungseisen (Bewehrungsstahl)
In Betonwänden finden sich Stahlgitter zur Stabilisierung.
- Problem: Wenn der Bohrer auf massiven Stahl trifft, kommt er nicht weiter, überhitzt oder bricht aus. Zudem kann das Durchtrennen von tragender Armierung die Statik (in extremen Fällen) beeinträchtigen.
6. Holzständer (Holzrahmenbau)
In Fertighäusern oder bei Holztrennwänden sucht man nach den tragenden Holzbalken.
- Hinweis: Hierfür benötigt man ein Gerät mit einem speziellen Modus für Holz ("Stud Finder").
Tipps für eine sichere Messung:
- Gerät kalibrieren: Viele Geräte müssen an einer neutralen Stelle der Wand kalibriert werden, bevor man mit der Suche beginnt.
- Mehrfach prüfen: Fahren Sie die Stelle mehrmals von verschiedenen Richtungen an (horizontal und vertikal).
- Spannung zuschalten: Stromleitungen werden von vielen Geräten besser erkannt, wenn tatsächlich Strom fließt. Schalten Sie also das Licht an oder stecken Sie eine Lampe in die Steckdose im Umkreis der Bohrstelle.
- Die "Installationszonen" im Kopf haben: Bohren Sie niemals direkt über oder unter Steckdosen/Lichtschaltern und halten Sie etwa 15-30 cm Abstand zu Ecken, Decken und Böden, da dort oft die Hauptleitungen verlaufen.
- Tiefe beachten: Gute Ortungsgeräte zeigen an, wie tief ein Objekt liegt. Prüfen Sie, ob Ihre geplante Bohrlochtiefe die Tiefe der Leitung erreicht.
Im Zweifel gilt: Wenn das Gerät an einer Stelle ausschlägt, suchen Sie sich lieber eine andere Stelle für das Loch!