Darf man einen Metallbohrer auch zum Bohren in Hartholz verwenden, oder führt dies zu Beschädigungen am Material?

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Ja, man darf einen Metallbohrer (meist HSS-Bohrer) grundsätzlich für Hartholz verwenden, aber es ist nicht ideal. Es kann unter bestimmten Umständen zu unsauberen Ergebnissen oder leichten Beschädigungen führen.

Hier sind die Details, worauf du achten solltest und warum ein spezieller Holzbohrer meist die bessere Wahl ist:

1. Das Problem mit der Zentrierung

  • Metallbohrer: Er hat eine kegelförmige Spitze. Auf der glatten Oberfläche von Hartholz rutscht er leicht ab („verläuft“), bevor er greift.
  • Holzbohrer: Er hat eine ausgeprägte Zentrierspitze, die punktgenaues Ansetzen ermöglicht.
  • Lösung: Wenn du einen Metallbohrer nutzt, solltest du die Stelle unbedingt mit einer Ahle oder einem Nagel vorkörnen (ein kleines Loch eindrücken), damit der Bohrer Führung hat.

2. Gefahr von Brandspuren (Hitzeentwicklung)

Hartholz (wie Eiche, Buche oder Robinie) ist sehr dicht.

  • Metallbohrer sind darauf ausgelegt, Späne aus hartem Material zu schälen, aber sie transportieren die Holzspäne oft nicht so effizient ab wie Holzbohrer.
  • Dadurch entsteht Reibung, und der Bohrer wird sehr heiß. Das führt zu schwarzen Brandspuren im Bohrloch und am Bohrer selbst (was den Bohrer stumpf machen kann).
  • Lösung: Bohre mit hoher Drehzahl, aber wenig Druck, und ziehe den Bohrer zwischendurch immer wieder ganz aus dem Loch heraus, um die Späne zu entfernen („Lüften“).

3. Ausreißen der Fasern

  • Metallbohrer: Er schabt das Material eher weg. Beim Austritt aus dem Holz auf der Unterseite drückt er die Fasern oft nach außen, was zu unschönen Absplitterungen führt.
  • Holzbohrer: Er besitzt sogenannte Vorschneider an den Außenkanten, die die Holzfasern kreisrund durchtrennen, bevor das Material abgetragen wird. Das ergibt saubere Ränder.
  • Lösung: Lege ein Opferholz (ein altes Reststück) fest unter dein Werkstück und bohre durch dein Werkstück direkt in das Opferholz hinein. Das verhindert das Ausreißen auf der Unterseite.

4. Wann ist der Metallbohrer sogar im Vorteil?

Es gibt eine Ausnahme: Wenn du sehr tief in extrem hartes oder sprödes Material bohren musst, können hochwertige HSS-Bohrer (Metallbohrer) manchmal stabiler sein als billige, weiche Holzbohrer, die sich leicht verbiegen oder deren Zentrierspitze abbrechen könnte.

Zusammenfassung: Tipps für die Nutzung von Metallbohrern in Hartholz

  1. Vorkörnen: Markiere das Loch deutlich, damit der Bohrer nicht wandert.
  2. Drehzahl: Nutze eine eher hohe Drehzahl.
  3. Späne leeren: Ziehe den Bohrer alle paar Millimeter heraus, damit das Mehl abfließen kann und nichts verbrennt.
  4. Unterlegen: Nutze ein Restholz auf der Unterseite gegen das Splittern.

Fazit: Für ein einzelnes Loch ist ein Metallbohrer völlig okay. Wenn du jedoch ein Möbelstück baust oder viele Löcher sichtbar im Sichtbereich bohren musst, lohnt sich die Anschaffung eines Satzes Holzspiralbohrer mit Zentrierspitze. Die Ergebnisse sind deutlich sauberer.