Warum ist es gefährlich, einen Steinbohrer mit eingeschalteter Schlagfunktion für das Bohren in Fliesen oder Glas zu verwenden?

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Das Verwenden der Schlagfunktion beim Bohren in spröde Materialien wie Fliesen oder Glas ist aus mehreren physikalischen und sicherheitstechnischen Gründen gefährlich bzw. kontraproduktiv:

1. Materialbruch durch Schockwellen (Zersplittern)

Glas und Keramik (Fliesen) sind extrem spröde. Im Gegensatz zu Beton oder Stein, die eine gewisse innere Struktur haben, die Vibrationen "schluckt", leiten Glas und Fliesen die Schockenergie des Schlagbohrers direkt weiter.

  • Glas: Die punktuellen Hammerschläge führen fast sofort zu Spannungsrissen. Da Glas unter hoher innerer Spannung steht, kann es bei eingeschaltetem Schlagwerk explosionsartig zerspringen.
  • Fliesen: Die Schlagfunktion verursacht oft Risse, die weit über das Bohrloch hinausgehen. Die Fliese bricht oder die Glasur platzt großflächig ab.

2. Verletzungsgefahr durch Splitterflug

Da Glas und Fliesen beim Schlagbohren unkontrolliert brechen, entstehen extrem scharfe Splitter. Wenn das Material unter der Wucht der Schläge zerbricht, können diese Splitter mit hoher Geschwindigkeit weggeschleudert werden und schwere Verletzungen an Augen oder Händen verursachen.

3. Abrutschen des Bohrers

Die Schlagfunktion erzeugt eine unruhige Auf- und Abwärtsbewegung. Auf der glatten Oberfläche von Glas oder glasierten Fliesen führt dies dazu, dass der Bohrer "tanzt" und seitlich wegrutscht. Dabei zerkratzt man nicht nur die Oberfläche, sondern verliert die Kontrolle über die Maschine, was zu Verletzungen führen kann.

4. Zerstörung des Bohrers

Steinbohrer mit Hartmetallspitze sind darauf ausgelegt, Material durch Zertrümmern abzutragen (wie ein Meißel). Glas- und Fliesenbohrer hingegen sind darauf ausgelegt, sich durch das Material zu schaben oder zu schneiden. Die Schlagfunktion kann die empfindlichen Schneidkanten eines speziellen Glasbohrers sofort zerstören.


Wie macht man es richtig?

Wenn du in Fliesen oder Glas bohren musst, befolge diese Regeln:

  1. Schlagfunktion AUS: Das ist die wichtigste Regel. Gebohrt wird nur mit reiner Rotation.
  2. Spezialbohrer verwenden:
    • Für Fliesen: Ein Fliesenbohrer (mit pfeilförmiger Hartmetallspitze) oder ein Diamant-Hohlbohrer.
    • Für Glas: Ein spezieller Glasbohrer.
  3. Kühlen: Glas und Fliesen werden beim Bohren sehr heiß. Nutze Wasser zur Kühlung, um Spannungsrisse durch Hitze zu vermeiden.
  4. Ankörnen/Fixieren: Klebe ein Stück Kreppband (Malerkrepp) auf die Stelle. Das verhindert das Rutschen auf der glatten Oberfläche.
  5. Geringe Drehzahl: Bohre mit wenig Druck und niedriger Geschwindigkeit.

Zusammenfassend: Die Schlagfunktion verwandelt die Bohrmaschine in einen kleinen Presslufthammer. Was bei Beton hilft, wirkt bei Glas wie ein gezielter Hammerschlag auf eine Fensterscheibe – das Ergebnis ist totale Zerstörung statt eines sauberen Lochs.