Warum ist eine ausreichende Folsäurezufuhr bei Kinderwunsch und Schwangerschaft so wichtig?

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Eine ausreichende Folsäurezufuhr ist bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft deshalb so entscheidend, weil dieses Vitamin (Vitamin B9) eine Schlüsselrolle bei Wachstums- und Entwicklungsprozessen spielt.

Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:

1. Prävention von Neuralrohrdefekten („Offener Rücken“)

Dies ist der wichtigste Grund. Das Neuralrohr ist die Vorstufe des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Es schließt sich bereits zwischen dem 21. und 28. Tag nach der Empfängnis.

  • Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen noch gar nicht, dass sie schwanger sind.
  • Die Folge bei Mangel: Wenn nicht genügend Folsäure vorhanden ist, kann sich das Neuralrohr nicht richtig schließen. Dies kann zu schweren Fehlbildungen führen, wie z. B. Spina bifida (offener Rücken) oder Anenzephalie (Fehlen von Teilen des Gehirns und Schädels).

2. Zellteilung und DNA-Synthese

In der Schwangerschaft findet eine extrem schnelle Zellteilung statt – aus einer befruchteten Eizelle entstehen in neun Monaten Milliarden von Zellen. Folsäure ist essenziell für die Bildung der DNA (unserer Erbinformation). Ohne ausreichend Folsäure kann dieser Prozess gestört werden, was das Wachstum des Embryos beeinträchtigt.

3. Blutbildung und Wachstum des mütterlichen Gewebes

Nicht nur das Baby braucht Folsäure, sondern auch der Körper der Mutter:

  • Das Blutvolumen der Mutter steigt in der Schwangerschaft stark an, wofür Folsäure zur Bildung roter Blutkörperchen benötigt wird.
  • Die Gebärmutter wächst und die Plazenta wird aufgebaut – beides sind Prozesse, die eine hohe Zellteilungsrate erfordern.

4. Warum reicht die normale Ernährung oft nicht aus?

Obwohl Folsäure in Lebensmitteln wie grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten vorkommt (dort heißt sie „Folat“), gibt es zwei Probleme:

  1. Instabilität: Natürliches Folat ist sehr hitze- und lichtempfindlich. Beim Kochen geht ein Großteil verloren.
  2. Bioverfügbarkeit: Der Körper kann die synthetische Form (Folsäure in Tabletten) fast zu 100 % aufnehmen, die natürliche Form aus der Nahrung jedoch deutlich schlechter.

Empfehlungen der Fachgesellschaften:

  • Bei Kinderwunsch: Frauen sollten bereits mindestens vier Wochen vor der Empfängnis mit der Einnahme von Folsäure (meist 400 µg pro Tag) beginnen, um den körpereigenen Speicher aufzufüllen.
  • In der Schwangerschaft: Die Supplementierung sollte mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden.

Zusammenfassend: Folsäure ist die „Versicherung“ für die korrekte Entwicklung des kindlichen Nervensystems in einer Phase, in der die meisten Frauen ihre Schwangerschaft gerade erst bemerken.