Warum ist die Einnahme von Folsäure bereits vor einer geplanten Schwangerschaft wichtig?

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Die Einnahme von Folsäure (Vitamin B9) bereits vor einer geplanten Schwangerschaft ist aus einem entscheidenden Grund wichtig: Das Zeitfenster für die wichtigste Entwicklung des Kindes liegt oft vor dem Zeitpunkt, an dem eine Frau überhaupt weiß, dass sie schwanger ist.

Hier sind die detaillierten Gründe:

1. Verschluss des Neuralrohrs (Der Hauptgrund)

In den ersten Wochen der Schwangerschaft entwickelt sich beim Embryo das sogenannte Neuralrohr. Daraus entstehen später das Gehirn und das Rückenmark.

  • Der Zeitpunkt: Das Neuralrohr schließt sich bereits zwischen dem 22. und 28. Tag nach der Empfängnis.
  • Das Problem: Zu diesem frühen Zeitpunkt wissen viele Frauen noch gar nicht, dass sie schwanger sind (da die Menstruation oft erst um den 28. Tag ausbleibt). Wenn ein Folsäuremangel besteht, kann es zu Fehlbildungen kommen, den sogenannten Neuralrohrdefekten (z. B. Spina bifida / „offener Rücken“ oder Anenzephalie).

2. Aufbau eines Wirkstoffspiegels

Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Körper nicht lange speichern kann. Es dauert etwa vier Wochen, bis durch die tägliche Einnahme ein ausreichend hoher Folsäurespiegel im Blut und im Gewebe aufgebaut ist, um einen optimalen Schutz für das Kind zu bieten.

  • Idealerweise sollte man daher mindestens vier Wochen vor der Befruchtung mit der Einnahme beginnen.

3. Zellteilung und Wachstum

Folsäure ist essenziell für die DNA-Synthese und die Zellteilung. Da sich die befruchtete Eizelle in den ersten Tagen und Wochen rasend schnell teilt, ist der Bedarf an Folsäure von der ersten Sekunde an massiv erhöht. Ein Mangel kann die frühe Zellentwicklung stören.

4. Verringerung weiterer Risiken

Studien deuten darauf hin, dass eine ausreichende Folsäureversorgung nicht nur Neuralrohrdefekte verhindert, sondern auch das Risiko für andere Fehlbildungen (wie Herzfehler oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten) sowie Frühgeburten senken kann.

Empfehlung der Fachgesellschaften:

Da es schwierig ist, die benötigte Menge allein über die Nahrung (z. B. durch grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte oder Vollkornprodukte) aufzunehmen – insbesondere weil Folsäure sehr hitze- und lichtempfindlich ist –, empfehlen Gynäkologen:

  • Dosierung: Frauen mit Kinderwunsch sollten täglich 400 Mikrogramm Folsäure in Form eines Supplements einnehmen.
  • Startpunkt: Spätestens vier Wochen vor der geplanten Empfängnis (viele Ärzte raten dazu, bereits mit dem Absetzen der Verhütung zu beginnen).
  • Dauer: Die Einnahme sollte mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden.

Fazit: Folsäure ist eine Art „Versicherung“ für die korrekte Ausbildung des Nervensystems, die bereits abgeschlossen ist, bevor der erste Schwangerschaftstest meist positiv ausfällt.