Kann die Einnahme von Vitamin C eine bestehende Erkältung tatsächlich verkürzen oder ihr vorbeugen?
Die kurze Antwort lautet: Zur Vorbeugung hilft es nur bestimmten Gruppen, und wenn die Erkältung erst einmal da ist, nützt eine plötzliche Einnahme meist wenig.
Hier ist die detaillierte wissenschaftliche Faktenlage (basierend auf großen Meta-Analysen, wie z. B. der Cochrane Collaboration):
1. Vorbeugung (Prävention)
- Allgemeine Bevölkerung: Die tägliche Einnahme von Vitamin C senkt das Risiko, überhaupt eine Erkältung zu bekommen, für den Durchschnittsbürger nicht. Man wird also statistisch gesehen genauso oft krank, ob man Vitamin C nimmt oder nicht.
- Sonderfall „Extremsportler“: Eine Ausnahme gibt es für Menschen, die kurzzeitig sehr hoher körperlicher Belastung oder extremer Kälte ausgesetzt sind (Marathonläufer, Skifahrer, Soldaten in der Arktis). Bei diesen Gruppen konnte Vitamin C das Erkältungsrisiko um etwa 50 % senken.
2. Verkürzung der Dauer
- Regelmäßige Einnahme: Wenn man Vitamin C dauerhaft das ganze Jahr über einnimmt (mindestens 200 mg täglich), verkürzt sich die Dauer einer Erkältung im Schnitt um etwa 8 % bei Erwachsenen und 14 % bei Kindern. Das entspricht etwa einem halben bis einem Tag weniger Schnupfen.
- Akute Einnahme: Wenn man erst mit der Einnahme beginnt, sobald die ersten Symptome auftreten (Halskratzen, laufende Nase), zeigt Vitamin C in Studien keine Wirkung. Es verkürzt die Krankheitsdauer dann nicht und lindert auch die Symptome nicht.
3. Warum hält sich der Mythos so hartnäckig?
Der Mythos geht maßgeblich auf den zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling zurück, der in den 1970er Jahren behauptete, Vitamin C könne Erkältungen verhindern und sogar Krebs heilen. Er nahm selbst enorme Mengen zu sich. Spätere, streng kontrollierte Studien konnten seine Thesen zur Erkältung jedoch nicht in diesem Maße bestätigen.
4. Was passiert bei einer Überdosierung?
Vitamin C ist wasserlöslich. Das bedeutet: Alles, was der Körper nicht braucht, wird über den Urin wieder ausgeschieden.
- Geldverschwendung: „Teurer Urin“ ist oft die einzige Folge von Hochdosis-Präparaten.
- Nebenwirkungen: Bei extrem hohen Dosen (über 2.000 mg pro Tag) kann es zu Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden und bei langfristiger Einnahme zu einem erhöhten Risiko für Nierensteine kommen.
Fazit & Empfehlung
- Nicht warten, bis man krank ist: Es bringt nichts, bei den ersten Anzeichen literweise Orangensaft zu trinken oder Brausetabletten zu schlucken.
- Natürliche Quellen: Wer sich ausgewogen ernährt (Paprika, Zitrusfrüchte, Beeren, Kohl), ist ausreichend versorgt. Eine Paprika deckt bereits den Tagesbedarf eines Erwachsenen (ca. 100 mg).
- Alternative Zink: Es gibt Hinweise, dass Zink (als Lutschtablette), wenn es innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn eingenommen wird, die Erkältungsdauer tatsächlich verkürzen kann.
Zusammenfassend: Vitamin C ist wichtig für ein funktionierendes Immunsystem, aber es ist kein „Wundermittel“, das eine Erkältung schnell vertreibt oder zuverlässig verhindert.