Welche Risiken birgt ein übermäßiger Lakritzkonsum während der Schwangerschaft?

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Der übermäßige Konsum von Lakritz während der Schwangerschaft wird von Experten kritisch gesehen. Der Hauptgrund dafür ist der Inhaltsstoff Glycyrrhizin, der aus der Süßholzwurzel gewonnen wird.

Hier sind die spezifischen Risiken, die durch wissenschaftliche Studien (insbesondere aus Finnland) belegt wurden:

1. Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung des Kindes

Glycyrrhizin kann die Plazentaschranke durchlässiger für das Stresshormon Cortisol machen. Normalerweise schützt ein Enzym in der Plazenta das Ungeborene vor dem mütterlichen Cortisol. Glycyrrhizin hemmt dieses Enzym. Ein Zuviel an Cortisol im Mutterleib kann die Entwicklung des kindlichen Gehirns beeinflussen. Mögliche Folgen im späteren Kindesalter sind:

  • Geringere kognitive Fähigkeiten: Ein niedrigerer Intelligenzquotient (IQ).
  • Gedächtnisprobleme: Schlechtere Leistungen bei visuellen und räumlichen Aufgaben.
  • Verhaltensauffälligkeiten: Ein erhöhtes Risiko für ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung).

2. Risiko für Frühgeburten

Es gibt Hinweise darauf, dass ein sehr hoher Lakritzkonsum das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen kann. Glycyrrhizin scheint die Muskulatur der Gebärmutter empfindlicher für wehenauslösende Hormone zu machen.

3. Blutdruckerhöhung und Wassereinlagerungen

Glycyrrhizin greift in den Elektrolythaushalt des Körpers ein. Es führt dazu, dass vermehrt Natrium zurückgehalten und Kalium ausgeschieden wird. Dies kann bei der Mutter zu folgenden Problemen führen:

  • Bluthochdruck: Ein Risiko für die Mutter und indirekt für die Versorgung des Kindes.
  • Ödeme: Verstärkte Wassereinlagerungen im Gewebe.

4. Hormonelle Auswirkungen (Frühe Pubertät)

Studien haben gezeigt, dass Mädchen, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Lakritz gegessen haben, tendenziell früher in die Pubertät kommen.


Ab welcher Menge wird es gefährlich?

Es ist schwierig, eine exakte "Sicherheitsgrenze" zu ziehen, da jeder Körper anders reagiert.

  • Die finnische Langzeitstudie: Die negativen Auswirkungen wurden vor allem bei Frauen beobachtet, die mehr als 250 mg Glycyrrhizin pro Woche konsumierten (das entspricht etwa 100 bis 250 Gramm Lakritz, je nach Glycyrrhizingehalt).
  • Starklakritz: Besonders vorsichtig sollte man bei "Starklakritz" (Erwachsenenlakritz) sein, das in Deutschland extra gekennzeichnet sein muss, wenn es mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g enthält.

Empfehlung für Schwangere:

  • Maß halten: Gelegentlicher Konsum kleiner Mengen (ein paar Stückchen normales Lakritz) gilt nach aktuellem Stand als unbedenklich.
  • Verzicht bei Bluthochdruck: Wenn Sie ohnehin zu hohem Blutdruck neigen, sollten Sie Lakritz ganz meiden.
  • Inhaltsstoffe prüfen: Achten Sie auf die Kennzeichnung "Starklakritz" oder "Erwachsenenlakritz" – dieses sollten Sie in der Schwangerschaft konsequent meiden.
  • Alternative: Wer nur den Geschmack mag, kann auf Produkte mit Anisaroma umsteigen, die kein Glycyrrhizin enthalten.

Fazit: Lakritz ist in der Schwangerschaft kein absolutes Tabu wie Alkohol, sollte aber aufgrund der hormonellen Wirkung nur in sehr geringen Mengen genossen werden.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen nicht das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.

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