Woher leitet sich der ungewöhnliche Name „Pumpernickel“ ab?
Der Name „Pumpernickel“ für das dunkle westfälische Vollkornbrot ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Es gibt dazu verschiedene Theorien, wobei man heute zwischen der sprachwissenschaftlich wahrscheinlichsten und einer sehr populären Legende unterscheidet.
Hier sind die wichtigsten Erklärungsansätze:
1. Die sprachwissenschaftliche Ableitung (Die wahrscheinlichste Theorie)
Die heute anerkannte Etymologie führt den Namen auf zwei alte Begriffe zurück:
- „pumpern“: Ein lautmalerisches Wort, das im Westfälischen für „flatulieren“ (Blähungen haben) oder „klopfen/pochen“ stand.
- „Nickel“: Dies war eine gängige Kurzform des Namens Nikolaus. Im Volksglauben des 16. und 17. Jahrhunderts wurde „Nickel“ oft als Bezeichnung für einen Kobold, Teufel oder einen groben Gesellen verwendet (ähnlich wie beim „Eisennickel“ im Bergbau).
Zusammengesetzt bedeutete Pumpernickel also ursprünglich so viel wie „furzender Kobold“ oder „furzender Teufel“. Der Hintergrund: Das Brot galt früher aufgrund seiner extrem festen Konsistenz und des hohen Ballaststoffgehalts als sehr schwer verdaulich, was zu Blähungen führen konnte. Es war ursprünglich eine Spottbezeichnung für das grobe Kommissbrot oder „Bauernbrot“.
2. Die Napoleon-Legende (Populär, aber falsch)
Eine weit verbreitete Geschichte besagt, dass Napoleon Bonaparte während seines Feldzuges in Westfalen das Brot probiert habe. Er soll es angewidert ausgespuckt und gesagt haben: „C’est bon pour Nickel“ (Das ist gut für Nickel). „Nickel“ soll dabei der Name seines Pferdes gewesen sein.
- Warum das eine Legende ist: Sprachforscher haben nachgewiesen, dass der Begriff „Pumpernickel“ schon lange vor Napoleons Zeit existierte. Bereits der Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen erwähnte das Wort in seinem Werk Der abenteuerliche Simplicissimus (erschienen 1668), also über 100 Jahre vor Napoleon.
3. Weitere Theorien (Eher unwahrscheinlich)
- Lateinischer Ursprung: Manche vermuteten eine Ableitung von bonum paniculum (gutes Brötchen). Das gilt jedoch als „Volksetymologie“, die nachträglich erfunden wurde, um dem Namen einen edleren Klang zu geben.
- Pumper (als harter Schlag): Eine andere Deutung besagt, dass „Pumper“ für etwas steht, das beim Essen schwer im Magen liegt (wie ein dumpfer Schlag).
Fazit
Der Name war ursprünglich eine Neckerei oder ein Schimpfwort. Dass aus dem „furzenden Teufel“ eine weltweit geschätzte Spezialität wurde, ist eine kuriose Wendung der Geschichte. Heute ist der Name als geschützte Herkunftsbezeichnung (Westfälischer Pumpernickel) sogar rechtlich geschützt.