Wie wirkt sich übermäßige Hitze beim Föhnen auf die Formstabilität eines Plastikkamms aus?
Übermäßige Hitze beim Föhnen hat einen erheblichen und meist negativen Einfluss auf die Formstabilität eines Plastikkamms. Da die meisten herkömmlichen Kämme aus Thermoplasten (wie Polystyrol, Polypropylen oder Celluloseacetat) bestehen, reagieren sie empfindlich auf hohe Temperaturen.
Hier sind die physikalischen und strukturellen Auswirkungen im Detail:
1. Erreichen der Glasübergangstemperatur
Jeder Kunststoff hat eine spezifische Temperatur, ab der er von einem festen, spröden Zustand in einen gummiartigen, weichen Zustand übergeht – die sogenannte Glasübergangstemperatur.
- Föhne erreichen an der Düse oft Temperaturen von 80 °C bis über 100 °C.
- Einfache Plastikkämme beginnen oft schon bei 60 °C bis 80 °C weich zu werden. In diesem Zustand verliert das Material seine Steifigkeit.
2. Plastische Verformung (Deformation)
Wenn der Kamm durch die Hitze weich geworden ist, reicht schon ein geringer mechanischer Widerstand aus, um ihn dauerhaft zu verformen:
- Verbiegen der Zinken: Beim Durchziehen durch kräftiges Haar unter Hitzeeinwirkung biegen sich die Zinken nach außen oder zur Seite.
- Verdrehen des Rückens: Der gesamte Kammrücken kann sich krümmen oder in sich verdrehen (Torsion).
- Kein "Memory-Effekt": Einmal verformt, kehrt ein herkömmlicher Plastikkamm nach dem Abkühlen nicht in seine Ursprungsform zurück. Er erstarrt in der deformierten Stellung.
3. Verlust der Oberflächenglätte
Hitze kann die molekulare Struktur an der Oberfläche verändern:
- Die Oberfläche kann "klebrig" oder rau werden.
- Kleine Bläschen können entstehen, wenn Weichmacher im Kunststoff ausgasen.
- Folge: Ein rauer Kamm schädigt die Schuppenschicht der Haare (Cuticula) und führt zu Haarbruch oder Spliss.
4. Versprödung (Langzeitfolge)
Wird ein Plastikkamm wiederholt starker Hitze ausgesetzt, entweichen die enthaltenen Weichmacher.
- Der Kunststoff wird mit der Zeit trocken und spröde.
- Auch wenn er optisch noch stabil wirkt, verliert er seine Elastizität und die Zinken brechen bei Belastung einfach ab, statt leicht nachzugeben.
5. Schmelzen
In Extremfällen (wenn die Föhndüse direkt und lange auf den Kamm gehalten wird) kann die Schmelztemperatur erreicht werden. Die Zinken verschmelzen miteinander oder die Spitzen werden ungleichmäßig "stumpf", was den Kamm unbrauchbar macht.
Zusammenfassung und Empfehlung
Ein gewöhnlicher Plastikkamm ist nicht formstabil gegenüber Föhnhitze.
Was man stattdessen verwenden sollte:
- Carbon-Kämme: Diese bestehen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Sie sind extrem hitzebeständig (oft bis 230 °C), antistatisch und bleiben absolut formstabil.
- Ebonit-Kämme: Aus hochwertigem Hartgummi gefertigt. Sie sind hitzeresistent und sehr schonend zum Haar.
- Holz- oder Hornkämme: Diese Materialien sind von Natur aus hitzunempfindlich, sollten aber nicht feucht-heißem Dampf über längere Zeit ausgesetzt werden.
Fazit: Wer viel mit dem Föhn arbeitet, sollte auf billige Plastikkämme verzichten, da diese sich verziehen, das Haar durch raue Oberflächen schädigen und schnell ersetzt werden müssen.