Können sich durch falsche Lagerung bei Hitze Schadstoffe im stillen Mineralwasser lösen?
Ja, das ist möglich. Wenn stilles Mineralwasser – besonders in Kunststoffflaschen (PET) – über längere Zeit großer Hitze oder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, können Stoffe aus der Verpackung in das Wasser übergehen.
Hier sind die wichtigsten Details dazu, was dabei passiert:
1. Übergang von chemischen Stoffen (Migration)
PET-Flaschen (Polyethylenterephthalat) enthalten verschiedene chemische Verbindungen, die durch Wärme gelöst werden können:
- Antimon: Dieses Schwermetall wird bei der Herstellung von PET als Katalysator verwendet. Studien haben gezeigt, dass sich bei hohen Temperaturen (z. B. im Sommer in einem geparkten Auto, wo Temperaturen über 60 °C entstehen können) geringe Mengen Antimon aus dem Kunststoff lösen und ins Wasser übergehen können. Die Mengen liegen meist unter den gesetzlichen Grenzwerten, nehmen aber mit der Hitze und der Lagerdauer zu.
- Acetaldehyd: Dieser Stoff ist zwar nicht unmittelbar gesundheitsschädlich, sorgt aber für einen typischen "plastikartigen" oder leicht süßlichen Beigeschmack im Wasser. Hitze beschleunigt diesen Prozess massiv.
- Hormonähnliche Substanzen: Es gibt Diskussionen darüber, ob PET-Flaschen Stoffe abgeben, die wie das weibliche Hormon Östrogen wirken. Die Wissenschaft ist sich hier noch nicht ganz einig, aber einige Untersuchungen fanden in PET-Flaschen höhere hormonelle Aktivitäten als in Glasflaschen.
2. Mikroplastik
Durch Hitze und UV-Strahlung kann die Struktur des Kunststoffs spröde werden. Dies kann dazu führen, dass kleinste Partikel, sogenanntes Mikroplastik, von der Flascheninnenwand ins Wasser gelangen.
3. Warum "stilles" Wasser besonders betroffen ist
Bei kohlensäurehaltigem Wasser sorgt die Kohlensäure für einen gewissen Innendruck und einen niedrigeren pH-Wert. Stilles Wasser ist jedoch "reaktionsfreudiger" für bestimmte Geschmacksveränderungen. Zudem fehlt bei stillem Wasser oft die konservierende Wirkung der Kohlensäure, was bei Wärme zusätzlich ein Problem für die Keimbildung darstellt (sobald die Flasche einmal geöffnet wurde).
4. Glasflaschen als Alternative
Glas ist ein inertes Material. Das bedeutet, es geht keine chemischen Verbindungen mit dem Wasser ein. Bei Glasflaschen besteht das Problem der chemischen Schadstoffe durch Hitze also nicht. Hier ist Hitze lediglich ein Problem für das Bakterienwachstum, falls die Flasche bereits geöffnet war.
Tipps zur richtigen Lagerung:
- Kühl und dunkel lagern: Der ideale Ort ist ein Keller oder eine dunkle Speisekammer.
- Keine direkten Sonnenstrahlen: Flaschen niemals auf dem Balkon oder hinter Fensterscheiben in der Sonne stehen lassen.
- Vorsicht im Auto: Lassen Sie Wasserflaschen im Sommer nicht im heißen Auto liegen. Wenn es doch passiert ist, sollte das Wasser nicht mehr getrunken werden, wenn es bereits "nach Plastik" schmeckt.
- Einmaliger Gebrauch: PET-Einwegflaschen sollten nicht mehrfach wiederbefüllt und über lange Zeit benutzt werden, da das Material mit der Zeit altert und mehr Stoffe abgeben kann.
Fazit: Ja, Hitze löst Schadstoffe und beeinträchtigt den Geschmack. Auch wenn die Mengen meist innerhalb der Grenzwerte bleiben, ist es ratsam, Mineralwasser vor extremen Temperaturen zu schützen.