Gelangen durch die Hitze Mikroplastik oder Schadstoffe aus der Becherbeschichtung in den Kaffee?
Ja, nach aktuellem Stand der Wissenschaft gelangen durch die Hitze des Kaffees sowohl Mikroplastikpartikel als auch verschiedene chemische Schadstoffe aus der Innenbeschichtung von Einwegbechern in das Getränk.
Hier sind die Details dazu, was genau passiert:
1. Mikroplastik durch Hitze
Die meisten Pappbecher sind innen mit einer dünnen Schicht aus Polyethylen (PE) überzogen, damit die Pappe nicht durchweicht.
- Der Prozess: Wenn heißer Kaffee (oft zwischen 80 und 90 Grad) in den Becher gegossen wird, reagiert die Kunststoffschicht auf die thermische Belastung.
- Studienlage: Eine bekannte Studie des Indian Institute of Technology (Kharagpur) aus dem Jahr 2020 zeigte, dass ein Einwegbecher, in dem 15 Minuten lang heiße Flüssigkeit steht, durchschnittlich 25.000 Mikroplastikpartikel in das Getränk abgibt. Zudem werden Milliarden von noch kleineren Nanoplastikpartikeln freigesetzt.
2. Schadstoffe und Chemikalien
Neben den physischen Plastikpartikeln können sich auch chemische Verbindungen lösen, die bei der Herstellung der Beschichtung oder des Papiers verwendet wurden:
- PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen): Diese „Ewigkeitschemikalien“ werden oft verwendet, um Becher fett- und wasserabweisend zu machen. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und den Hormonhaushalt zu stören.
- Phthalate (Weichmacher): Diese können als Zusatzstoffe im Kunststoff enthalten sein und lösen sich besonders leicht in warmen, fetthaltigen Flüssigkeiten (Kaffee enthält natürliche Öle).
- Antimon: Ein Schwermetall, das manchmal als Katalysator bei der Kunststoffherstellung genutzt wird und bei Hitze austreten kann.
- Bisphenole (wie BPA): Zwar ist die Innenbeschichtung meist aus PE (das oft BPA-frei ist), aber die Plastikdeckel bestehen häufig aus Polystyrol (PS), das beim Kontakt mit heißem Dampf und Spritzern ebenfalls Schadstoffe abgeben kann.
3. Faktoren, die die Freisetzung verstärken
- Temperatur: Je heißer das Getränk, desto instabiler wird die Kunststoffschicht.
- Zeit: Je länger der Kaffee im Becher bleibt, desto mehr Partikel lösen sich.
- Säuregehalt: Der natürliche Säuregehalt des Kaffees begünstigt das Herauslösen von Chemikalien zusätzlich.
Was ist mit „biologisch abbaubaren“ Bechern?
Becher, die mit PLA (Polymilchsäure) beschichtet sind (oft als „kompostierbar“ beworben), sind leider keine vollständige Lösung. Auch PLA ist ein Biokunststoff, der bei Hitze Mikroplastik abgeben kann. Die gesundheitlichen Auswirkungen von PLA-Mikroplastik sind zwar noch weniger erforscht, aber es handelt sich dennoch um Fremdstoffe im Körper.
Fazit und Empfehlung
Wenn du die Aufnahme von Mikroplastik und Schadstoffen minimieren möchtest, sind folgende Alternativen am sichersten:
- Edelstahl-Thermobecher: Diese geben keine Partikel ab und halten den Kaffee lange warm.
- Glas-Mehrwegbecher: Glas ist inert, das heißt, es reagiert nicht mit dem Getränk.
- Porzellan/Keramik: Die klassische Tasse ist die sicherste Wahl.
- Deckel weglassen: Wenn du aus einem Pappbecher trinken musst, lass zumindest den Plastikdeckel weg, da der heiße Dampf dort ständig Chemikalien löst, die dann zurück in den Kaffee tropfen.