Welche Schadstoffe entstehen durch das Verbrennen von Drehtabak und Zigarettenpapier?
Beim Verbrennen von Drehtabak und Zigarettenpapier entsteht ein komplexes Gemisch aus über 7.000 chemischen Substanzen, von denen viele hochgradig giftig und mindestens 70 nachweislich krebserregend sind.
Da Drehtabak oft feuchter ist und ohne die kontrollierten Abbrennhilfen industrieller Zigaretten konsumiert wird, kann die Schadstoffkonzentration (insbesondere Teer und Kohlenmonoxid) je nach Drehweise sogar höher ausfallen.
Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Schadstoffe, unterteilt nach ihrer Herkunft:
1. Schadstoffe aus dem Tabak (Verbrennungsprodukte)
Durch die unvollständige Verbrennung (Pyrolyse) des Tabakblattes entstehen:
- Teer (Kondensat): Ein klebriges Gemisch aus Hunderten von Substanzen, das sich in der Lunge ablagert. Es enthält unter anderem Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Benzpyren, die stark krebserregend sind.
- Kohlenmonoxid (CO): Ein farb- und geruchloses Gas, das den Sauerstofftransport im Blut blockiert, da es sich fester an das Hämoglobin bindet als Sauerstoff.
- Nikotin: Zwar ist Nikotin primär für das Suchtpotenzial verantwortlich, wirkt aber in hohen Dosen als Nervengift und belastet das Herz-Kreislauf-System.
- Stickoxide ($NO_x$): Diese Gase reizen die Atemwege und können zu chronischen Entzündungen führen.
- Blausäure (Cyanwasserstoff): Ein hochgiftiges Gas, das die Selbstreinigungsfunktion der Lunge (Flimmerhärchen) lähmt.
- Flüchtige organische Verbindungen: Dazu gehören Benzol (krebserregend, schädigt das Knochenmark) und Vinylchlorid.
2. Schadstoffe durch Zusatzstoffe im Drehtabak
Drehtabak enthält oft mehr Feuchthaltemittel und Aromen als Fabrikzigaretten:
- Zucker und Sirup: Werden zur Geschmacksverbesserung zugesetzt. Beim Verbrennen entstehen daraus Aldehyde (z. B. Formaldehyd und Acetaldehyd). Diese sind krebserregend und verstärken das Suchtpotenzial des Nikotins.
- Glycerin und Propylenglykol: Diese Feuchthaltemittel können beim Erhitzen zu Acrolein zerfallen, einem Stoff, der extrem reizend auf die Schleimhäute wirkt und die Lunge schädigt.
- Ammoniak: Wird oft zugesetzt, um die Nikotinaufnahme im Gehirn zu beschleunigen (erhöht das Suchtpotenzial).
3. Schadstoffe aus dem Zigarettenpapier
Zigarettenpapier besteht zwar meist aus Zellulose (Hanf, Flachs oder Holz), enthält aber oft chemische Zusätze:
- Verbrennungshilfen: Salze wie Natrium- oder Kaliumcitrat sorgen dafür, dass das Papier gleichmäßig brennt und nicht ausgeht.
- Füllstoffe: Calciumcarbonat (Kreide) wird verwendet, um die Porosität und das Weiß des Papiers zu kontrollieren.
- Farbstoffe und Druckfarben: Bei bedruckten oder farbigen Papieren können beim Verbrennen Schwermetalle oder andere giftige Verbindungen freiwerden.
- Feinstaub: Die Verbrennung der Papierfasern trägt erheblich zur Feinstaubbelastung in der Lunge bei.
4. Schwermetalle und radioaktive Stoffe
Tabakpflanzen nehmen Schadstoffe sehr effizient aus dem Boden und aus Düngemitteln auf. Im Rauch finden sich daher:
- Cadmium und Blei: Schwermetalle, die sich im Körper anreichern und Organe (Nieren, Leber) sowie das Nervensystem schädigen.
- Arsen: Ein hochgiftiges Metalloid.
- Polonium-210: Ein radioaktives Element, das aus phosphathaltigen Düngemitteln stammt und die Lunge direkt von innen bestrahlt.
Besonderheit bei Drehtabak:
Da Selbstdreher oft ohne Filter oder mit sehr dünnen Filtern rauchen und der Tabak durch die oft festere Wicklung unvollständiger verbrennt, ist die Schadstoffbelastung pro Zug oft höher als bei einer Standard-Filterzigarette. Auch die Tatsache, dass Drehtabak häufiger ausgeht und wieder angezündet wird, erhöht die Entstehung von Schadstoffen durch die niedrigeren Verbrennungstemperaturen beim "Anziehen".