Wie hoch ist das Risiko einer Nikotinabhängigkeit bei der Nutzung von Drehtabak?
Das Risiko, bei der Nutzung von Drehtabak (Roll-Your-Own, RYO) eine Nikotinabhängigkeit zu entwickeln, ist extrem hoch und unterscheidet sich kaum von dem Risiko herkömmlicher Fabrikzigaretten. In einigen Aspekten kann das Abhängigkeitspotenzial bei Drehtabak sogar höher sein.
Hier sind die wichtigsten Faktoren, die das Risiko beim Drehtabak beeinflussen:
1. Die Natur des Nikotins
Nikotin ist eine der am schnellsten süchtig machenden Substanzen. Es erreicht innerhalb von 7 bis 10 Sekunden das Gehirn und aktiviert das Belohnungssystem (Dopaminausschüttung). Dieser Mechanismus ist bei Drehtabak identisch mit dem bei Fabrikzigaretten.
2. Höhere Nikotin- und Kondensatwerte
Studien zeigen häufig, dass Raucher von Drehtabak dazu neigen, pro Zigarette mehr Tabak zu verwenden oder tiefer zu inhalieren. Zudem enthalten viele Drehtabake höhere Konzentrationen an Teer und Nikotin pro Gramm Tabak als die Standardmischungen in Fabrikzigaretten. Da Drehtabak oft ohne Filter oder mit sehr dünnen Filtern geraucht wird, gelangen die Schadstoffe und das Nikotin oft ungefilterter in die Lunge.
3. Zusatzstoffe zur Verstärkung der Wirkung
Drehtabak wird oft mit speziellen Zusatzstoffen versetzt, um ihn feucht zu halten (z. B. Propylenglykol oder Glycerin). Viele Marken enthalten zudem Ammoniumverbindungen. Diese bewirken, dass das Nikotin im Körper schneller freigesetzt wird und schneller ins Gehirn gelangt („Kick-Effekt“), was das Suchtpotenzial massiv erhöht.
4. Psychologische Abhängigkeit (Das Ritual)
Beim Drehen von Tabak kommt eine verhaltensbiologische Komponente hinzu: Das Ritual des Drehens. Die motorische Beschäftigung mit dem Tabak, dem Blättchen und dem Filter wird Teil der Suchtspirale. Diese Konditionierung macht es oft schwerer, mit dem Rauchen aufzuhören, da nicht nur das Nikotin fehlt, sondern auch die gewohnte Tätigkeit des Drehens.
5. Fehlwahrnehmung: „Natürlicher“ Tabak
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Drehtabak „natürlicher“ oder weniger schädlich sei. Das Gegenteil ist oft der Fall. Da Drehtabak meist fester gedreht wird und eine höhere Dichte aufweist, erlischt er öfter. Der Raucher zieht dann stärker, was die Schadstoffaufnahme und die Nikotindosis erhöht.
6. Kostenfaktor
Drehtabak ist in vielen Ländern (auch in Deutschland) günstiger als Fabrikzigaretten. Dies senkt die Hemmschwelle für einen hohen Konsum. Da der Preisdruck geringer ist, rauchen Konsumenten von Drehtabak oft mehr Zigaretten am Tag, was die körperliche Abhängigkeit festigt.
Zusammenfassung
Das Risiko einer Abhängigkeit ist bei Drehtabak sehr hoch. Es gibt keine Belege dafür, dass Drehen „gesünder“ oder „weniger süchtig machend“ ist. Im Gegenteil: Durch die oft fehlende Filtration und die spezifischen Abbrenn-Eigenschaften nehmen Dreher häufig sogar höhere Mengen an Nikotin auf als Raucher von Light-Zigaretten.
Fazit: Wer Drehtabak nutzt, setzt sich demselben hohen Suchtrisiko aus wie jeder andere Zigarettenraucher auch. Eine Abhängigkeit kann sich bereits nach wenigen Tagen oder Wochen regelmäßigen Konsums manifestieren.