Welche krebserregenden Stoffe werden beim Verbrennen eines Zigarillos freigesetzt?
Beim Verbrennen eines Zigarillos entstehen durch die unvollständige Verbrennung von Tabak und Papier über 7.000 chemische Verbindungen. Mehr als 70 dieser Stoffe gelten nachweislich als krebserregend (karzinogen) oder stehen stark im Verdacht, es zu sein.
Da Zigarillos oft aus schwererem Tabak bestehen und meist ein Deckblatt aus Tabak (statt aus Papier) haben, ist die Konzentration bestimmter Schadstoffe oft sogar höher als bei herkömmlichen Zigaretten.
Hier sind die wichtigsten krebserregenden Stoffgruppen und Substanzen, die im Zigarillenrauch enthalten sind:
1. Tabakspezifische Nitrosamine (TSNAs)
Diese gelten als die gefährlichsten krebserregenden Stoffe im Tabakrauch. Sie entstehen während der Trocknung und Fermentierung des Tabaks sowie beim Verbrennen.
- Beispiele: NNK (Nicotinderiviertes Nitrosaminketon) und NNN (N-Nitrosonornicotin).
- Wirkung: Sie sind extrem stark krebserregend und führen besonders häufig zu Lungen-, Speiseröhren- und Mundhöhlenkrebs.
2. Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Diese entstehen bei jeder unvollständigen Verbrennung organischer Materialien.
- Wichtigster Vertreter: Benzo[a]pyren.
- Wirkung: Es schädigt direkt die DNA und führt zu Mutationen, die Krebs auslösen können.
3. Flüchtige organische Verbindungen
Gase, die beim Verbrennen entstehen und leicht eingeatmet werden.
- Benzol: Ein bekanntes Lösungsmittel, das nachweislich Leukämie (Blutkrebs) verursacht.
- 1,3-Butadien: Gilt als eines der stärksten Karzinogene im Tabakrauch.
- Vinylchlorid: Ein Industriegas, das Lebertumore verursachen kann.
4. Aldehyde
Reizende Gase, die die Selbstreinigungsmechanismen der Lunge (Flimmerhärchen) lähmen und die DNA schädigen.
- Formaldehyd: Bekannt als Konservierungsmittel, hochgradig krebserregend für den Nasen-Rachen-Raum.
- Acetaldehyd: Verstärkt zudem das Suchtpotenzial des Nikotins.
5. Krebserregende Metalle
Tabakpflanzen nehmen Schwermetalle aus dem Boden und aus Düngemitteln auf, die beim Rauchen in die Lunge gelangen.
- Cadmium: Verbleibt sehr lange im Körper und schädigt Nieren und Lunge.
- Arsen: Ein klassisches Gift, das Haut- und Lungenkrebs verursacht.
- Nickel und Chrom: Beides Metalle, die beim Einatmen karzinogen wirken.
6. Radioaktive Substanzen
Durch Düngemittel gelangt das radioaktive Isotop Polonium-210 in den Tabak. Es lagert sich in den Bronchien ab und bestrahlt das Gewebe lokal, was das Lungenkrebsrisiko massiv erhöht.
7. Aromatische Amine
Stoffe, die vor allem in der Farbstoffindustrie vorkommen.
- Beispiel: 2-Naphthylamin.
- Wirkung: Diese Stoffe sind besonders für die Entstehung von Blasenkrebs verantwortlich, da sie über die Nieren ausgeschieden werden.
Warum Zigarillos besonders gefährlich sein können:
- Höherer Schadstoffgehalt: Da Zigarillos oft mehr Tabak enthalten und langsamer brennen, ist die Ausbeute an Teer und Kohlenmonoxid oft höher als bei Zigaretten.
- Fehlende Filter: Viele Zigarillos werden ohne Filter geraucht, wodurch die Schadstoffe ungehindert in den Mundraum und (falls inhaliert) in die Lunge gelangen.
- pH-Wert des Rauchs: Der Rauch von Zigarillos ist oft basischer als Zigarettenrauch. Das führt dazu, dass Nikotin bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen wird, transportiert aber auch Schadstoffe wie Nitrosamine effektiver in das Gewebe.
Fazit: Auch wenn viele Zigarilloraucher den Rauch nicht "auf Lunge" inhalieren (paffen), bleibt ein hohes Risiko für Krebs im Mund-, Rachen- und Kehlkopfbereich sowie für Speiseröhrenkrebs bestehen, da die Schadstoffe im Speichel gelöst und geschluckt werden.