Welche gesundheitlichen Langzeitfolgen hat der regelmäßige Konsum von Drehtabak?
Der regelmäßige Konsum von Drehtabak (Feinschnitt) führt zu den gleichen schwerwiegenden Langzeitfolgen wie das Rauchen von Fabrikzigaretten. Es gibt jedoch spezifische Aspekte beim Drehtabak, die das Gesundheitsrisiko teilweise sogar erhöhen können.
Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Langzeitfolgen im Überblick:
1. Atemwegserkrankungen
- COPD (Raucherlunge): Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist eine der häufigsten Folgen. Die Atemwege verengen sich dauerhaft, was zu Atemnot und chronischem Husten führt.
- Chronische Bronchitis: Eine dauerhafte Entzündung der Bronchien.
- Lungenemphysem: Die Lungenbläschen werden zerstört, was den Gasaustausch massiv verschlechtert.
2. Krebserkrankungen
Tabakrauch enthält über 90 nachgewiesenermaßen krebserregende Stoffe.
- Lungenkrebs: Das Risiko ist bei Rauchern um ein Vielfaches höher als bei Nichtrauchern.
- Andere Krebsarten: Erhöhtes Risiko für Krebs im Mundraum, Rachen, Kehlkopf, in der Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Niere und Blase.
- Besonderheit Drehtabak: Da Drehtabak oft feuchter ist und fester gerollt wird, geht die Glut beim Ablegen öfter aus. Dies führt dazu, dass Raucher oft fester ziehen, wodurch Schadstoffe tiefer in die Lunge gelangen können.
3. Herz-Kreislauf-System
- Arteriosklerose: Die Gefäße verengen und verkalken („Raucherbein“).
- Herzinfarkt und Schlaganfall: Durch den erhöhten Blutdruck und die Schädigung der Gefäßwände steigt das Risiko für akute lebensbedrohliche Ereignisse massiv an.
- Koronare Herzkrankheit: Die Durchblutung des Herzmuskels wird dauerhaft verschlechtert.
4. Besonderheiten und Mythen bei Drehtabak
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, Drehtabak sei „natürlicher“. Das Gegenteil ist oft der Fall:
- Zusatzstoffe: Drehtabak enthält oft hohe Konzentrationen an Feuchthaltemitteln (wie Glycerin oder Propylenglykol) und Konservierungsstoffen, damit der Tabak in der Packung nicht austrocknet. Beim Verbrennen entstehen daraus zusätzliche giftige Substanzen.
- Höhere Schadstoffwerte: Untersuchungen zeigen, dass selbstgedrehte Zigaretten pro Gramm Tabak oft mehr Teer und Nikotin liefern als Fabrikzigaretten, besonders wenn ohne oder mit sehr dünnen Filtern geraucht wird.
- Filter-Problematik: Viele Selbstdreher verwenden keine Filter oder nur „Tips“ (Pappröhrchen), die keine Schadstoffe herausfiltern, sondern lediglich verhindern, dass Tabakkrümel in den Mund gelangen.
5. Zahngesundheit und Ästhetik
- Parodontitis: Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für schweren Zahnhalteapparat-Schwund und Zahnverlust.
- Verfärbungen: Hartnäckige gelb-braune Beläge auf Zähnen und Fingern.
- Hautalterung: Die Haut verliert an Elastizität, wird schlechter durchblutet und altert deutlich schneller (Faltenbildung).
6. Weitere Folgen
- Fruchtbarkeit: Bei Männern sinkt die Spermienqualität, bei Frauen die Fruchtbarkeit. In der Schwangerschaft schädigt es die Entwicklung des Kindes massiv.
- Immunsystem: Die allgemeine Infektanfälligkeit steigt, und Wunden heilen langsamer.
Zusammenfassung
Drehtabak ist keine gesündere Alternative zur herkömmlichen Zigarette. Durch das oft tiefere Inhalieren, die höhere Schadstoffdichte pro Zug und die Verwendung minderwertiger oder gar keiner Filter können die gesundheitlichen Schäden bei Drehtabak-Konsumenten sogar schneller oder intensiver eintreten.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung. Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten, bieten Hausärzte oder Organisationen wie die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) professionelle Unterstützung an.