Welche spezifischen Gefahren birgt der Konsum von Energy-Drinks für Kinder und Jugendliche?
Der Konsum von Energy-Drinks ist besonders für Kinder und Jugendliche mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Da sich ihr Körper noch in der Entwicklung befindet und sie meist ein geringeres Körpergewicht als Erwachsene haben, reagieren sie wesentlich empfindlicher auf die Inhaltsstoffe.
Hier sind die spezifischen Gefahren im Detail:
1. Überdosierung von Koffein
Dies ist das Hauptproblem. Eine herkömmliche Dose (500 ml) enthält oft 160 mg Koffein – das entspricht etwa zwei Tassen starkem Kaffee oder zwei bis drei Dosen Cola.
- Herz-Kreislauf-System: Koffein in hohen Dosen kann zu Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und einem gefährlichen Anstieg des Blutdrucks führen. Bei Jugendlichen mit unentdeckten Herzfehlern kann dies lebensbedrohlich sein.
- Nervosität und Angst: Kinder reagieren oft mit starker innerer Unruhe, Zittern, Reizbarkeit und im Extremfall mit Panikattacken.
- Geringe Toleranz: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr als 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag zu sich nehmen sollten. Bei einem 50 kg schweren Jugendlichen ist dieses Limit bereits mit einer großen Dose deutlich überschritten.
2. Massive Mengen an Zucker
Energy-Drinks enthalten oft bis zu 10 bis 15 Stück Würfelzucker pro 500 ml.
- Übergewicht (Adipositas): Der hohe Kaloriengehalt trägt massiv zur Entstehung von Übergewicht bei.
- Diabetes-Risiko: Die hohen Zuckermengen verursachen starke Blutzuckerschwankungen, was langfristig das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht.
- Zahngesundheit: Die Kombination aus viel Zucker und Säure (Zitronensäure) greift den Zahnschmelz massiv an und fördert Karies.
3. Massive Schlafstörungen
Jugendliche benötigen für ihre Entwicklung viel Schlaf. Koffein blockiert das Hormon Adenosin, das dem Körper Müdigkeit signalisiert.
- Einschlafprobleme: Der Konsum am Nachmittag oder Abend verhindert das Einschlafen.
- Schlechte Schlafqualität: Der Tiefschlaf wird gestört, was zu Konzentrationsschwäche in der Schule, Reizbarkeit und chronischer Erschöpfung führt. Oft wird dann am nächsten Tag wieder ein Energy-Drink konsumiert, um die Müdigkeit zu bekämpfen (Teufelskreis).
4. Risiken in Kombination mit Sport
Viele Jugendliche nutzen Energy-Drinks als vermeintliche „Sportgetränke“. Das ist gefährlich:
- Dehydrierung: Koffein wirkt harntreibend. Bei körperlicher Anstrengung verliert der Körper ohnehin Wasser; Energy-Drinks verstärken diesen Effekt.
- Zusätzliche Herzbelastung: Die Kombination aus körperlicher Anstrengung und dem aufputschenden Effekt der Inhaltsstoffe belastet das Herz übermäßig.
5. Kombination mit Alkohol
In der Partyszene sind Mischgetränke (z. B. Wodka-Energy) beliebt.
- Maskierungseffekt: Das Koffein überdeckt die dämpfende Wirkung des Alkohols. Die Jugendlichen fühlen sich wacher und fitter, als sie tatsächlich sind.
- Unterschätzung der Trunkenheit: Dies führt dazu, dass sie mehr Alkohol trinken, als sie vertragen, was die Gefahr von Alkoholvergiftungen und risikoreichem Verhalten (z. B. im Straßenverkehr) massiv erhöht.
6. Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung
Das Gehirn von Jugendlichen befindet sich in einer Umbauphase (Präfrontaler Kortex).
- Es gibt Hinweise aus Studien, dass chronischer Koffeinkonsum in jungen Jahren die Gehirnentwicklung beeinflussen und die Anfälligkeit für Suchterkrankungen im späteren Leben erhöhen könnte.
7. Wechselwirkungen mit anderen Inhaltsstoffen
Stoffe wie Taurin, Glucuronolacton oder Inosit sind in Energy-Drinks oft hoch dosiert. Während diese Stoffe einzeln oft als unbedenklich gelten, ist die Wirkung ihres Zusammenspiels mit hohen Koffeinmengen (der sogenannte „Cocktail-Effekt“) bei Kindern und Jugendlichen noch nicht ausreichend erforscht und wird von Verbraucherschützern kritisch gesehen.
Fazit
Verbraucherschützer und Kinderärzte fordern bereits seit langem ein Abgabeverbot von Energy-Drinks an Minderjährige (ähnlich wie in Lettland oder Litauen bereits umgesetzt). Da die Getränke oft wie Limonade vermarktet werden (bunte Dosen, süßer Geschmack), unterschätzen viele Kinder die Droge Koffein, die darin enthalten ist.