Ab wann gilt der Konsum von Videospielen medizinisch als Sucht?

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Seit dem Jahr 2022 ist die Computerspielabhängigkeit (offiziell: „Gaming Disorder“) von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Diagnosekatalog ICD-11 offiziell als Krankheit anerkannt.

Damit die Diagnose medizinisch gestellt werden kann, müssen laut WHO drei wesentliche Hauptkriterien über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten erfüllt sein (in schweren Fällen kann die Diagnose auch früher gestellt werden):

1. Kontrollverlust

Die betroffene Person hat keine Kontrolle mehr über ihr Spielverhalten. Das bezieht sich auf:

  • Den Beginn und das Ende des Spielens.
  • Die Häufigkeit und Intensität.
  • Die Dauer der Spielsitzungen (man kann nicht aufhören, obwohl man es sich vorgenommen hat).

2. Priorisierung des Spielens

Das Videospielen rückt ins Zentrum des Lebens. Andere Interessen, Hobbys und tägliche Verpflichtungen werden vernachlässigt. Das Spiel hat Vorrang vor:

  • Schule, Studium oder Arbeit.
  • Sozialen Kontakten (Freunde, Familie).
  • Grundbedürfnissen (Essen, Schlafen, Körperhygiene).

3. Fortsetzung trotz negativer Folgen

Die Person spielt weiter oder steigert den Konsum sogar noch, obwohl bereits deutliche negative Konsequenzen eingetreten sind. Solche Folgen können sein:

  • Schlechte Noten oder Jobverlust.
  • Starke Müdigkeit und gesundheitliche Probleme.
  • Konflikte mit dem Partner oder den Eltern.
  • Psychische Probleme (Gereiztheit, Angst).

Wichtige Abgrenzung: Leidenschaft vs. Sucht

Die bloße Anzahl der gespielten Stunden ist kein alleiniges Kriterium für eine Sucht. Ein Profi-E-Sportler oder ein begeisterter Hobby-Gamer kann viele Stunden vor dem PC verbringen, ohne süchtig zu sein, solange er:

  • Sein Leben im Griff hat.
  • Andere Verpflichtungen erfüllt.
  • Bei Bedarf problemlos aufhören kann.

Der entscheidende Punkt ist der Funktionsverlust im Alltag.

Die Kriterien nach dem DSM-5 (USA)

In den USA wird oft das Handbuch DSM-5 verwendet. Dort heißt es „Internet Gaming Disorder“ und listet 9 Kriterien auf (von denen 5 erfüllt sein müssen):

  1. Übermäßige Beschäftigung mit Gaming.
  2. Entzugssymptome (Reizbarkeit, Angst), wenn nicht gespielt werden kann.
  3. Toleranzentwicklung (man muss immer mehr spielen, um zufrieden zu sein).
  4. Erfolglose Versuche, das Spielen einzuschränken.
  5. Interessensverlust an früheren Hobbys.
  6. Täuschen von Familienmitgliedern oder Therapeuten über das wahre Ausmaß.
  7. Nutzung von Spielen zur Flucht vor negativen Gefühlen.
  8. Gefährdung von Beziehungen oder Karriere.
  9. Fortsetzen trotz des Wissens um psychosoziale Probleme.

Was tun bei Verdacht?

Wenn Sie bei sich selbst oder anderen Anzeichen einer Sucht bemerken, ist der erste Schritt oft eine Beratungsstelle für Suchtfragen oder ein Psychotherapeut, der auf Verhaltenssüchte spezialisiert ist.

Selbsttest-Frage: „Regiert das Spiel mein Leben, oder regiere ich das Spiel?“ Wenn das Spiel entscheidet, wann man schläft, isst oder wen man trifft, ist die Grenze zur Sucht oft bereits überschritten.

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