Wie stört eine gleichzeitige Eisenaufnahme die Resorption von Zink im Darm?
Die gleichzeitige Aufnahme von Eisen und Zink führt zu einer sogenannten kompetitiven Hemmung bei der Resorption im Dünndarm. Das bedeutet, dass die beiden Mineralstoffe um dieselben „Transportwege“ in die Körperzellen konkurrieren.
Hier sind die genauen Mechanismen, wie Eisen die Zinkaufnahme stört:
1. Gemeinsame Transportproteine (DMT1)
Sowohl Eisen als auch Zink liegen im Darm als zweifach positiv geladene Ionen vor ($Fe^{2+}$ und $Zn^{2+}$). Der wichtigste Transporter in der Darmwand (den Enterozyten) für viele zweiwertige Metalle ist der DMT1 (Divalent Metal Transporter 1).
Da dieser Transporter eine begrenzte Kapazität hat, entsteht ein „Stau“ an der Zellschleuse:
- Wenn eine hohe Konzentration an Eisenionen vorhanden ist, besetzen diese die Bindungsstellen des DMT1-Transporters.
- Zinkionen finden dann keinen freien Platz mehr und können nicht in die Darmzelle geschleust werden. Sie verbleiben im Darmvolumen und werden schließlich ungenutzt ausgeschieden.
2. Ähnliche chemische Eigenschaften
Eisen und Zink sind sich chemisch sehr ähnlich (ähnliche Ionengröße und Ladung). Enzyme und Transportproteine im Körper erkennen Stoffe oft anhand dieser physikalischen Merkmale. Da Eisen (besonders in Supplementen) oft in deutlich höheren Mengen vorliegt als Zink, „verdrängt“ das Eisen das Zink aufgrund der schieren Überzahl an Molekülen.
3. Das Mengenverhältnis ist entscheidend
Studien haben gezeigt, dass die Hemmung vor allem dann auftritt, wenn das Verhältnis von Eisen zu Zink hoch ist.
- In einer normalen, ausgewogenen Mahlzeit ist die Interaktion oft vernachlässigbar, da die Mengen moderat sind.
- Problematisch wird es bei hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln. Wenn Eisen und Zink gleichzeitig als Supplement eingenommen werden (z. B. in einem Verhältnis von 2:1 oder höher zugunsten von Eisen), sinkt die Zinkaufnahme signifikant.
4. Besonderheit: Hämeisen vs. Nicht-Hämeisen
Es ist wichtig zu unterscheiden, welche Form von Eisen aufgenommen wird:
- Nicht-Hämeisen (hauptsächlich in pflanzlichen Lebensmitteln und Standard-Eisentabletten): Dieses Eisen nutzt den oben genannten DMT1-Transporter und stört die Zinkaufnahme massiv.
- Hämeisen (aus Fleisch und Blut): Dieses wird über einen eigenen, spezifischen Transportweg (HCP1) aufgenommen. Hämeisen stört die Zinkresorption daher deutlich weniger oder gar nicht.
Zusammenfassung und Praxistipp
Eisen stört Zink, indem es die „Türen“ (Transporter) in den Körper besetzt. Wenn Sie beide Mineralstoffe als Supplement einnehmen müssen, empfiehlt es sich:
- Zeitlicher Abstand: Nehmen Sie Eisen und Zink zu unterschiedlichen Tageszeiten ein (z. B. Eisen morgens nüchtern, Zink abends vor dem Schlafengehen).
- Kombipräparate prüfen: Achten Sie bei Multivitaminpräparaten darauf, dass die Dosierungen aufeinander abgestimmt sind, wobei die getrennte Einnahme bei einem nachgewiesenen Mangel immer effektiver ist.