Warum verursachen manche Schwangerschaftsvitamine Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden?
Es ist ein bekanntes Problem: Viele Schwangere nehmen gewissenhaft ihre Vitamine ein, kämpfen danach aber mit Übelkeit, Magenschmerzen oder Verstopfung. Das ist besonders unangenehm, da viele Frauen ohnehin schon unter der hormonell bedingten Schwangerschaftsübelkeit leiden.
Hier sind die Hauptgründe, warum Schwangerschaftsvitamine diese Beschwerden verursachen können:
1. Der hohe Eisengehalt (Hauptursache)
Eisen ist in fast allen Schwangerschaftspräparaten enthalten, da der Bedarf in der Schwangerschaft stark ansteigt. Eisen ist jedoch bekannt dafür, die Magenschleimhaut zu reizen.
- Wirkung: Es kann Übelkeit, Magenschmerzen, Blähungen und vor allem Verstopfung verursachen.
- Warum? Nicht das gesamte Eisen wird im Dünndarm aufgenommen. Das restliche Eisen gelangt in den Dickdarm, wo es die Darmflora beeinflussen und den Stuhl hart und dunkel färben kann.
2. Die Größe und der Geruch der Tabletten
In der Schwangerschaft ist der Geruchssinn oft extrem geschärft.
- Geruch: Multivitaminpräparate (besonders solche mit B-Vitaminen oder Omega-3-Fischöl) haben oft einen starken Eigengeruch, der den Würgereflex auslösen kann.
- Größe: Viele „Alles-in-einem“-Tabletten sind sehr groß. Das Schlucken allein kann bei bestehender Übelkeit bereits zu Erbrechen führen.
3. Einnahme auf nüchternen Magen
Viele Frauen nehmen ihre Vitamine gleich morgens ein, oft noch vor dem Frühstück. Da der Magen in der Schwangerschaft ohnehin empfindlicher ist (durch den Einfluss des Hormons Progesteron), reizen die konzentrierten Nährstoffe die leere Magenwand direkt.
4. Die hormonelle Situation
Das Hormon Progesteron sorgt in der Schwangerschaft dafür, dass die glatte Muskulatur entspannt wird – auch im Magen-Darm-Trakt.
- Folge: Die Verdauung wird langsamer. Die Vitamine verbleiben länger im Magen und im Darm, was die Zeitspanne verlängert, in der sie Reizungen verursachen können.
5. Zink und andere Mineralstoffe
Neben Eisen können auch hohe Dosen von Zink oder Magnesium auf leeren Magen zu Übelkeit oder weichem Stuhl führen.
Was kann man dagegen tun? (Tipps zur Linderung)
- Einnahmezeitpunkt ändern: Nehmen Sie das Vitamin während einer Mahlzeit ein, niemals auf nüchternen Magen. Manche Frauen vertragen es am besten direkt vor dem Schlafengehen, da man die Übelkeit dann quasi „überschläft“.
- Präparat wechseln: Es gibt verschiedene Formen von Eisen (z.B. Eisen-Bisglycinat), die oft besser verträglich sind als herkömmliches Eisensulfat.
- Aufteilen: Wenn Sie eine sehr große Tablette nehmen, fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie auf zwei kleinere Dosen pro Tag oder auf ein Präparat in zwei Kapseln umsteigen können.
- Gummibärchen oder Flüssigform: Es gibt pränatale Vitamine als Fruchtgummis oder Säfte. Diese enthalten oft kein Eisen (da Eisen in dieser Form schlecht schmeckt), sind aber viel magenschonender. Das fehlende Eisen müsste dann ggf. separat ergänzt werden.
- Zuerst nur Folsäure: Wenn die Übelkeit im ersten Trimester zu stark ist, kann man in Absprache mit dem Arzt oft vorübergehend auf reine Folsäure (die sehr klein und geschmacksneutral ist) umsteigen und die Multivitamine erst ab der 13. Woche wieder nehmen, wenn die Übelkeit meist nachlässt.
Wichtiger Hinweis: Wenn die Beschwerden so stark sind, dass Sie die Vitamine gar nicht mehr einnehmen können oder sich ständig übergeben, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin besprechen. Manchmal ist ein Eisenmangel gar nicht vorhanden, sodass ein eisenfreies Präparat die Lösung sein könnte.