Wie kam die Kartoffel historisch gesehen nach Europa?

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Die Geschichte der Kartoffel ist eine faszinierende Reise von den südamerikanischen Anden bis auf die europäischen Teller. Hier ist der historische Ablauf in Etappen:

1. Die Herkunft: Südamerika

Die Kartoffel stammt ursprünglich aus den Hochanden Südamerikas (heutiges Peru, Bolivien und Chile). Dort wurde sie bereits vor etwa 8.000 bis 10.000 Jahren von den indigenen Völkern (wie den Inka) kultiviert. Sie war dort ein Grundnahrungsmittel, das durch Trocknung (Chuño) sogar haltbar gemacht wurde.

2. Die Entdeckung durch die Spanier (16. Jahrhundert)

Als die spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert auf der Suche nach Gold das Inkareich eroberten, stießen sie auf die Knolle.

  • Um 1532: Francisco Pizarro und seine Truppen sahen die Kartoffel zum ersten Mal.
  • Um 1570: Die ersten Kartoffeln gelangten per Schiff über den Atlantik nach Spanien. Von dort aus verbreiteten sie sich langsam über Italien in den Rest Europas.

3. Der Weg über England

Unabhängig von der spanischen Route gelangte die Kartoffel Ende des 16. Jahrhunderts auch nach England. Legendär (wenn auch historisch nicht ganz gesichert) sind Namen wie Sir Francis Drake oder Sir Walter Raleigh, die die Knolle von ihren Raubzügen oder Expeditionen aus Nord- oder Südamerika mitgebracht haben sollen.

4. Anfangsschwierigkeiten: Misstrauen und Zierpflanze

In Europa war man anfangs alles andere als begeistert von der Kartoffel. Es gab mehrere Gründe für die Ablehnung:

  • Botanisches Misstrauen: Die Kartoffel gehört zu den Nachtschattengewächsen. Da die oberirdischen grünen Teile und Früchte giftig sind (Solanin), hielten die Menschen auch die Knolle für gefährlich.
  • Die Bibel: Da die Kartoffel in der Bibel nicht erwähnt wurde, galt sie manchen als „Teufelszeug“.
  • Falsche Zubereitung: Viele Menschen aßen die giftigen Blätter oder Beeren statt der Knollen und bekamen schwere Bauchschmerzen. Deshalb wurde die Kartoffel fast 200 Jahre lang in Europa hauptsächlich als Zierpflanze in botanischen Gärten oder in den Parks von Fürsten wegen ihrer schönen Blüten gehalten.

5. Der Durchbruch: Hunger und Zwang (18. Jahrhundert)

Der Wandel vom Statussymbol zum Grundnahrungsmittel kam erst durch die großen Hungersnöte im 18. Jahrhundert.

  • Preußen und der „Alte Fritz“: Friedrich der Große erkannte das Potenzial der Kartoffel (sie liefert auf gleicher Fläche mehr Kalorien als Getreide und wächst im Boden, wo sie vor plündernden Soldaten sicher war). Er erließ die sogenannten „Kartoffelbefehle“ (ab 1746), mit denen er die Bauern zwang, Kartoffeln anzubauen.
  • Ein psychologischer Trick: Eine Legende besagt, dass Friedrich seine Kartoffeläcker von Soldaten bewachen ließ, um sie wertvoll erscheinen zu lassen. Die Bauern stahlen die Knollen daraufhin nachts und pflanzten sie selbst an.

6. Die Kartoffelrevolution

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich die Kartoffel in ganz Europa durchgesetzt. In Frankreich half der Apotheker Antoine-Augustin Parmentier, die Skepsis zu überwinden, indem er den König dazu brachte, Kartoffelblüten am Knopfloch zu tragen.

Fazit

Die Kartoffel kam als „Beifang“ der Kolonialisierung nach Europa, wurde lange als giftig oder minderwertig missachtet und stieg schließlich zum Retter in Hungersnöten auf. Ohne die Kartoffel wäre das enorme Bevölkerungswachstum in Europa während der Industriellen Revolution kaum möglich gewesen.

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