Wie hoch ist die Belastung durch Mikroplastik in Mineralwasser aus Kunststoffflaschen?
Die Belastung von Mineralwasser aus Kunststoffflaschen (PET) mit Mikroplastik ist ein gut dokumentiertes Phänomen. Die genauen Zahlen variieren je nach Studie, Untersuchungsmethode und Flaschentyp erheblich.
Hier ist eine Zusammenfassung des aktuellen wissenschaftlichen Stands:
1. Wie hoch ist die Partikelanzahl?
Die Messwerte schwanken stark, da die Labore unterschiedlich kleine Partikel nachweisen können.
- Frühere Studien (bis ca. 2018): Diese fanden oft zwischen 10 und einigen hundert Partikeln pro Liter. Eine bekannte Studie der Organisation Orb Media untersuchte 250 Flaschen aus elf Ländern und fand im Schnitt 325 Partikel pro Liter.
- Neuere Studien (mit präziseren Methoden): Da die Messtechnik besser geworden ist, können nun auch viel kleinere Teilchen (Nanoplastik) nachgewiesen werden. Eine aufsehenerregende Studie der Columbia University (Anfang 2024) fand in US-amerikanischem Flaschenwasser durchschnittlich 240.000 nachweisbare Kunststofffragmente pro Liter. Davon waren etwa 90 % Nanoplastik und nur 10 % Mikroplastik.
2. Mehrweg vs. Einweg
Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen den Flaschentypen:
- Mehrweg-PET-Flaschen: Diese weisen in der Regel die höchste Belastung auf. Der Grund ist die mechanische Beanspruchung beim Reinigen und Wiederbefüllen. Durch das häufige Waschen und die interne Reibung lösen sich mehr Partikel von der Innenwand. In Tests (z. B. vom CVUA Münster) wurden hier oft mehrere tausend Partikel pro Liter gefunden.
- Einweg-PET-Flaschen: Diese weisen tendenziell geringere Mengen auf als Mehrwegflaschen, liegen aber immer noch deutlich über den Werten von Glasflaschen oder Leitungswasser.
3. Woher kommt das Mikroplastik?
Die Belastung hat drei Hauptquellen:
- Die Flasche selbst: Abrieb von der Innenwand (PET).
- Der Deckel: Beim Auf- und Zuschrauben entsteht Abrieb, meist aus Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP). Dies ist oft die Hauptquelle für größere Mikroplastikpartikel.
- Der Abfüllprozess: Partikel können bereits in der Abfüllanlage durch Filter oder Leitungen ins Wasser gelangen.
4. Vergleich mit Glasflaschen und Leitungswasser
- Glasflaschen: Auch in Glasflaschen wird Mikroplastik gefunden (oft durch die Reinigung der Flaschen in der Anlage oder durch die Kunststoffbeschichtung der Deckel), aber die Konzentration ist meist deutlich geringer als in PET-Flaschen.
- Leitungswasser: Dies ist in Deutschland in der Regel am wenigsten belastet, da es streng kontrolliert wird und keinen Kontakt mit Kunststoffverpackungen hat (außer ggf. durch Hausleitungen).
5. Ist das gesundheitsschädlich?
Dies ist die wichtigste, aber am schwersten zu beantwortende Frage.
- Aktuelle Einschätzung: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklären derzeit, dass es keine eindeutigen Belege für eine akute Gesundheitsgefahr durch das Trinken von mikroplastikhaltigem Wasser gibt. Die meisten größeren Partikel werden einfach wieder ausgeschieden.
- Nanoplastik-Sorge: Die Forschung konzentriert sich aktuell auf Nanoplastik (Teilchen kleiner als 1 Mikrometer). Diese sind so winzig, dass sie potenziell die Darmwand passieren und ins Blut oder in Organe gelangen könnten. Die Langzeitfolgen hierfür sind noch unklar.
Fazit
Wer seine Aufnahme von Mikroplastik über das Trinkwasser minimieren möchte, sollte zu Leitungswasser oder Mineralwasser aus Glasflaschen greifen. Bei PET-Flaschen sind Einwegflaschen oft "sauberer" als die mehrfach verwendeten Mehrwegflaschen, verursachen dafür aber mehr Müll.